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Gilbert setzt Klassiker-Lauf fort

Donnerstag, August 4th, 2011

Philippe Gilbert (Omega Pharma- Lotto) hat bei der Clasica San Sebastian seinen Klassiker-Lauf fortgesetzt. Nach seinem Triumph in den Ardennenklassikern gewann der belgische Meister am Samstag auch das baskische WorldTour-Rennen über 234 Kilometer. Gilbert attackierte vier Kilometer vor dem Ziel aus einer Spitzengruppe heraus und rettete einen Vorsprung von zwölf Sekunden auf den Spanier Carlos Barredo (Rabobank) ins Ziel. Barredo hatte die Clasica im Jahr 2009 gewonnen.

RADSPORT / CLASICA SAN SEBASTIAN / 30.07.2011 / ROTH

„Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg“, sagte der strahlende Gilbert kurz nach dem Zieleinlauf. „Ich möchte gerne alle großen Klassiker gewinnen und bin diesem Ziel heute einen Schritt nähergekommen. Als nächstes stehen die Eneco-Tour, die Vattenfalls Cyclassics, der GP Plouay und die Rennen in Kanada an. Danach würde ich gerne Weltmeister werden.“

Nach der Tour de France konnte der belgische Meister noch keinen Tag ausruhen, wie er sagte: „Die letzte Woche war sehr stressig, nach der Tour bin ich zahlreiche Kriterien gefahren und erst spät ins Bett gekommen – gegen 23, 24, manchmal auch erst um 2 Uhr morgens. Gestern bin ich noch das Kriterium Saint-Niklaas gefahren, bin danach extra mit einem Privatjet angereist, der um 2 Uhr morgens gelandet ist.“ Und mit einem Lächeln im Gesicht setzte er im Hinblick auf diesen Schlaf-Wach-Rhythmus hinzu: „Ich fühle mich schon ganz spanisch.“

 

„Hüftschüsse“ bei der Tour de France

Dienstag, Juli 26th, 2011

Unser Fotograf Tino Pohlmann und sein Begleiter Christian waren ebenfalls bei der Tour. Auf unserer Homepage und auch im Katalog gibt es bald noch viel mehr von ihnen zu sehen. Vorab schonmal eine kleine Galerie von Bildern die während der Tour allein mit dem iPhone entstanden sind.

Erfahrungsbericht: Eine Woche bei der Tour de France

Dienstag, Juli 26th, 2011

Die Zeit ging so schnell rum, obwohl auch meine Tage, wie die der Rennfahrer ewig lang waren. Am Ende habe ich mehr Kilometer gemacht, wie die Tour lang ist. Im Unterschied zu den Radfahrern allerdings auf vier Rädern.
Am Montag bin ich als Mitarbeiter unseres Social Media-Teams von Koblenz über die Schweiz in die französischen Alpen gefahren – 800 Kilometer. Im Gepäck, mein Equipment für die Online-Berichterstattung und ein Canyon Aeroad Rahmen in grün. So grün wie das Maillot Verde, für das es am Schluss doch nicht gereicht hat.
Aeroad CF in Grün

Für den Dienstag hatte ich mir vorgenommen zum Ziel nach Gap zu fahren und unsere Fahrer vom Omega Pharma-Lotto Team in Empfang zu nehmen. Pusteblume, obwohl Schneeflocke würde es besser treffen. Da der Galibier am Ende der Woche zweimal auf dem Plan stand, wollte ich eine vorherige Streckenbesichtigung durchführen. Im strömendem Regen fuhr ich im Tal der Arc los, über den Telegraph, hinunter nach Valloire und dann eben in Richtung Col du Galibier. Es kamen mir schon einige Autos mit Schnee auf den Dächern entgegen und ich dachte, wenn die vielen Holländer das geschafft haben, dann schaffe ich das auch. Doch am Ende siegte die Vernunft. Bei 2300 Höhenmetern lag die Schneefallgrenze. 345 Meter unter dem Gipfel. Klingt nicht viel, brachte aber umso mehr Schnee. Auf Höhe der Einfahrt zum Tunnel fuhr ich auf den Parkplatz und wendete den Wagen. Fünf Zentimeter Schnee auf der Strasse, Sommerreifen auf dem Auto und Schluchten neben dem weißen Asphaltband können einem durchaus Angstzustände bereiten. Das Ziel in Gap in weite Ferne gerückt, fuhr ich zurück ins Hotel und schaute das Rennen im französischen Fernsehen, um darüber berichten zu können.
Bild im Schnee

Der Mittwoch begann wieder mit schlechten Wetter, aber als ich die Grenze nach Italien überwunden hatte, strahlte die Sonne. Auf dem Weg zum Start in Gap fuhr ich durch unheimlich viel Landschaft, so wie eigentlich die gesamte Woche. Echt beeindruckend. Kurz vor Gap fand ich mich plötzlich inmitten der Omega Pharma-Lotto Teamflotte. Ein Bus, ein Mechaniker-Truck und vier Begleitfahrzeuge. Gemeinsam bahnten wir uns den Weg zum Start. Und schon wenige Sekunden nach dem Eintreffen war der Bus umringt von Menschenmassen. Alle wollten den belgischen Meister Philippe Gilbert und vor allem Jelle Vanendert im gepunkteten Trikot sehen.
Jelle Fanclub

Insgesamt haben die Fahrer vor Beginn der Etappe etwa eine Stunde Zeit sich einzuschreiben und so bleiben sie natürlich so lang wie möglich dem Trubel fern und versuchen im Bus noch etwas Ruhe zu tanken. An der Einschreibung trafen dann die beiden Sprinter André Greipel und Mark Cavendish aufeinander und wünschten sich wohl gegenseitig viel Glück für die bevorstehenden schweren Alpenetappen.
André und Cav

Beim Appell, der etwa fünf Minuten vor dem offiziellen Start erfolgt, traf ich nochmal auf Sebastian Lang und fragte ihn, ob er für die Alpen gewappnet sei, woraufhin er mit „ich hoffe doch“ etwas kleinlaut antwortete. Mit den unendlichen Höhenmetern der nächsten Tage im Kopf, war ihm das nicht zu verübeln.

Die Königsetappe der diesjährigen Tour führte über und auf drei Pässe der Ehrenkategorie. Drei mythische Berge waren zu erklimmen – der Col Agnel mit 2744 Metern der höchste Punkt der Tour 2011, der Col d’Izoard und der 2645 Meter hoch gelegene Col du Galibier, die bisher höchstgelegene Bergankunft seit Bestehen der Tour. Für die Fahrer ging es von Pinerolo bis auf den Col Agnel bei Kilometer 107 eigentlich nur bergauf. Für mich ging es dagegen hoch und runter. Ich fuhr auf dem „itinéraire hors course“ vom Start weg eine Umleitungsstrecke auf den Straßen der Etappe des Vortages. Hinauf nach Sestrières, einem Austragungsort der Olympischen Spiele 2006, hinunter nach Cesana und wieder hinauf auf den Col de Montgenèvre bis ich kurz darauf in Europas zweithöchstgelegener Stadt Briancon ankam. Von dort an gab es keine Möglichkeit einer Umleitung und so durfte ich auf der Strecke bis zum Col du Lautaret fahren. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis entlang des größten Parkplatzes der Welt zu fahren. Ein Wohnmobil neben dem nächsten. Und überall jubelnde und begeisterte Fans, die nur kommen um die Fahrer einmal vorbeirauschen zu sehen.
Angekommen auf dem Col du Lautaret, von dem an es noch 8 weitere schwere Kilometer bis zum Ziel auf dem Col du Galibier waren auf dem der Schnee schon wieder getaut war, habe ich mir mein Equipment geschnappt und nach einem guten Platz für Fotos Ausschau gehalten. Allerdings gestaltete sich das etwas schwierig bei etwa 400000 Tausend Fans die sich am Berg tummelten. Mit meiner Presse-Akkreditierung hatte ich dann aber doch die Möglichkeit ziemlich weit vorn an der Strecke einen Platz zu erhaschen. Und hier war es auch das erste Mal, dass ich während meines Aufenthaltes etwas vom Rennen mitbekommen habe, da direkt hinter mir eine riesige Videoleinwand von France2 aufgebaut war. Jedes Mal als die Schleck-Brüder im Bild waren wurde es laut in der Ecke der Luxemburger Fans und als Contador abreißen lassen musste, jubelten sie noch viel lauter.
Am Lautaret

Nach dem Zieleinlauf versuchte ich dann so schnell wie möglich zum Auto zu gelangen, was mir auch gelang. Doch dann stand ich im Stau. Überall Menschen, zu Fuß, auf Fahrädern, Mofas, Motorrädern, Autos und Wohnmobilen um mich herum. Wahnsinn, das bei solchen Evakuierungen nicht mehr passiert, wenn einen plötzlich Radfahrer links und rechts überholen und versuchen am schnellsten im Tal zu sein.
Lautaret Camper

Der Stau vom Donnerstag sollte aber nicht der längste während meines Ausflugs gewesen sein. Am Freitag kam es viel schlimmer. Gegen 7 Uhr am Morgen verließ ich mein Hotel, um über den Col de la Croix de Fer auf die andere Seite des Berges zu gelangen. In Bourg-d’Oisans ging es dann hinauf nach Alpe d’Huez. Hier am Berg der Holländer, der immernoch so genannt wird, obwohl seit 1989 kein Holländer mehr gewonnen hat, tummelten sich noch mehr Menschen als am Tag zuvor auf dem Weg zum Galibier. In jeder der 21 Kehren wurde gejubelt und gefeiert. Viele stehen schon seit einigen Tagen um sich die besten Plätze zu sichern. In Kehre Nummer 15 wird allerdings viel mehr gefeiert als in den restlichen Streckenabschnitten. Die berühmt berüchtigte Holländer-Kurve. Ein Meer aus Orange. Und eine Lautstärke, dass man Ohrstöpsel braucht.
Oben angekommen hab ich mir dann mein Canyon CF SLX geschnappt, auf dem im letzten Jahr noch Sebastian Lang im Omega Pharma-Lotto Trikot gefahren ist. Ich fragte den erstbesten Polizisten wie lang es möglich ist noch runter und wieder hoch zu fahren. Er antwortete, dass noch gut drei Stunden Zeit sind. Das passt dachte ich mir und rollte langsam bergab. An schnell fahren war garnicht zu denken bei der Masse an Leuten am Berg. Leider machte mir eine pflichtbewußte Polizistin in Kehre 20 einen Strich durch die Rechnung und wollte mich nicht weiter nach unten fahren lassen. Nur noch laufen sei erlaubt. Eine Kehre vor der Einfahrt in den Berg. Also drehte ich kurzerhand um und radelte die verbliebenen 12 der insgesamt 13,8 Kilometer nach oben. Es ist schon ein tolles Gefühl an jeder Ecke angefeuert zu werden und zu hören, ah ein Canyon, Allez Allez, weiter so, push it und so weiter. Und natürlich will man sich da auch keine Blöße geben und hält auch an den steilsten Abschnitten mit 14 % nicht inne.
Wieder zurück am Auto gab es erstmal eine Cola und dann ging es wieder auf die Suche nach einem guten Aussichtspunkt. Als ich den gefunden hatte kam auch schon die Werbekarawane angerollt. Ein riesengroßer Faschingsumzug mit lauter lustigen Gefährten. Etwa eine Stunde danach stiegen die ersten Hubschrauber aus dem Tal auf und am Himmel kreisten insgesamt fünf Flugzeuge, die für die Übertragung der Fernsehbilder zuständig sind. Jetzt war klar, gleich kommen die ersten Fahrer. Das Feld war stark auseinander gerissen und einzelne Pedaleure quälten sich die letzten Meter bis zum Ziel. Und es wurde wahr, auf was so viele in Frankreich gewartet haben. Ein Franzose gewinnt eine Tour-Etappe. Und das auch noch in Alpe d’Huez. Einige Zeit nach dem Ersten bahnte sich der Omnibus, angeführt von Sebastian Lang, Marcel Sieberg und André Greipel seinen Weg zum Etappenziel. Ich vermute Seppel hatte hier die Führung übernommen und sich im Kopf genau ausgerechnet, wie schnell man maximal fahren muss, um noch rechtzeitig vor der Karenzzeit im Ziel zu sein.
Nach der Etappe erlebte ich dann den Superstau. Drei Stunden für 13,8 Kilometer den Berg hinab und nochmal eine Stunde für die nächsten fünf Kilometer. Kein Wunder wenn hunderttausende von Menschen wieder von einem Fleck weg wollen.
Der Samstag begann wiedermal mit Regen und so sollte er auch enden. Zwischendurch allerdings schien die Sonne für die Tour de France. Vom Zeitfahren selbst hab ich an dem Tag recht wenig bis nichts mitbekommen. Hinter den vielen Zuschauern sah ich immer nur Fahrräder vorbei fahren, die auf den Materialwagen der Teams montiert waren. Vor dem Start allerdings konnte man um das Stadion von Grenoble den Fahrern beim Warmfahren und den Mechanikern beim Einstellen der Räder zuschauen. Wobei die Mechaniker unserer Canyon Bikes vom Omega Pharma-Lotto Team an diesem Tag wohl nicht ganz so konzentriert waren, wie sonst. Nach drei Wochen Tortour auch ohne weiteres möglich. Die Fahrer allerdings, die von ihrer Runde auf dem Zeitfahrparcours zurück kamen, nahmen das Malheur recht gelassen hin.
Warmfahren

Etwa eine Stunde vor Ende des Zeitfahrens fuhren wir dann noch ins Hotel, um den Ausgang des spannenden Kampfes um die Uhr am Fernsehen mitzubekommen. Cadel Evans, der Mann der auf einem Canyon Weltmeister wurde fuhr Andy Schleck aus dem Gelben Trikot und holte sich verdient den Gesamtsieg der Tour de France 2011. Chapeau und Gratulation an ihn.
Ich hingegen machte mich auf den verregneten Heimweg zurück nach Koblenz und fiel gegen 2 Uhr nachts in mein Bett.
Alles in allem war es aber dennoch eine erfolgreiche Tour für die Canyon Rennradler auch wenn wir auf dem Weg nach Paris drei Fahrer verloren haben. Wir wünschen allen eine schnelle Genesung und dass sie bald wieder auf dem Rad sitzen.
Bis auf das weiße Trikot durfte jedes Wertungstrikot auf einem Canyon ausgefahren werden. Philippe Gilbert holte sich am ersten Tag mit einem Sieg gleich das Gelbe Trikot des Tour Führenden. Zwei Tage später fuhr er im Grünen Trikot des Sprintbesten und kurz danach auch noch im rot-gepunkteten Trikot des Führenden in der Bergwertung. Bei der 12. Etappe zeigte André Greipel dem kleinen Briten einmal wo der Hammer hängt und hängte ihn im Sprint ab. Jelle Vanendert fuhr am Plateau de Beille zum Etappensieg und ins „Polka-Dot-Jersey“. Am Ende wurde Philippe Gilbert dritter in der Sprintwertung und Jelle Vanendert belegte den gleichen Platz in der Wertung des besten Bergfahrers. Ein spannende Tour und Respekt an alle die in Paris nach 3.430,5 Kilometern das Ziel erreicht haben.

Euer Robert

Die letzten Kilometer der Tour de France 2011

Sonntag, Juli 24th, 2011

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als wir die Strecke von der ersten Etappe abgefahren sind und die Zeitfahrstrecke besichtigt haben. Und am 2.Juli 2011 begann meine siebte Tour de France. Nach zehn Jahren Profisportler und zahlreichen großen Rennen, war dies mit Abstand meine härteste Prüfung. Wenn ich heute, nach dem 43km langen Zeitfahren zurück blicke, sehe ich neben den vielen Highlights auch viel Leiden. Noch nie in meiner Laufbahn habe ich mir so schwer getan eine dreiwöchige Rundfahrt zu beenden. Tag um Tag habe ich mich ins Ziel gekämpft. Während es am Anfang noch alles ganz gut lief, kam mit den ersten schweren Bergetappen leider auch der Scheitelpunkt des Scheiterns näher. Wenn dir der Schweiß übers Gesicht läuft, du nach Luft ringst, und dein Puls bei 190 Schlägen pro Minute ist. Noch 5 Berge bis zum Tagesziel, noch zehn Etappen, noch mehr Berge, noch mehr Schmerzen. Du sitzt auf dem Sattel obwohl dir der Hintern weh tut, deine Verstand spielen mit dir. Nächste Bergwertung “14km” und vor dir eine große Traube von Rennfahrern, bei denen es um einiges leichter aussieht. Dann fängst du an den Lenker zu verbiegen und Kämpfst mit dir selbst, noch einmal den Blick auf den Radcomputer, nur noch 3km bis oben. Wieder eine Bergwertung geschafft, das Tagesziel kommt näher.

24.Juli 2011
Mit der 21.Etappe werde ich die letzten Kilometer meiner letzten Tour de France bestreiten. Schwerpunkt der Etappe wird es sein, André Greipel so gut es nur geht für den Sprint zu unterstützen.

Wenn du das bisschen Teufel in dir täglich besiegt hast, ist das auch ein Sieg, so fühlt es sich zumindest an. Zugleich sind es die letzten Zeilen an euch Leser. Die letzten Zeilen hier an meine und unsere Fans. An Fans die an der Rennstrecke standen und uns/mich angefeuert haben. Danke für die Unterstützung und die Erfurter sowie Sonneberger an der Rennstrecke.

lang_paris_1

Euch allen da draußen, Alles Gute, und viel Spaß beim Radeln in der Zukunft.

Euer Sebastian Lang

Paris kommt näher …

Samstag, Juli 23rd, 2011

Die letzten beiden Alpenetappen waren nicht nur zeitraubend, sie waren auch kräftezehrend. Was das Zeitlimit angeht verstehe ich weder die Einstufung noch die Angaben zu den einzelnen Etappen der Rennorganisation. Es gab Etappen, auf denen wir mit 14min Rückstand angekommen sind und das Zeitlimit bei 43 Minuten lag. Diese Etappen waren im Vergleich zu den beiden Königsetappen in den Alpen aber lange nicht so schwer. Wo ist da bitte die Verhältnismäßigkeit!

Kilometer um Kilometer, Berg um Berg bin ich dem großen Ziel in Paris damit etwas näher gekommen. Ich kann euch versichern, dass diese Strapazen der letzten Tage immer wieder die schlimmsten einer gesamten Rennsaison sind. Sieben Tour Teilnahmen habe ich dann auf meinem Konto als Profi und alle beendet. Davon gehe ich nach dem heutigen Tag aus, denn im Zeitfahren sollte ich die Karenzzeit dann doch schaffen.

Die letzten 13,8km der “Alpe-D’Huez” Etappe werden nun für immer in meiner Erinnerung bleiben. Meine Gedanken sind Karussell gefahren, während immer wieder im “Grupetto” geschrien wurde, langsamer fahren, habe ich an all die Momente gedacht aus der Vergangenheit. Es hat mich sehr bewegt da ich diese Fahrt auch als Abschied sehe. Mit “Alpe-D’Huez” im Jahr 2004, habe ich diesen Mythos zum ersten mal bezwungen. Damals war es ein Bergzeitfahren und es war meine aller erste Tour de France. Von so vielen Menschen angefeuert zu werden, dass ist einzigartig und ein ganz besonderer Moment.

Danke an alle Radsportfans….

Nun trennen mich nur noch zwei Nächte und wenige Kilometer bis ich meinen Sohn und meine Frau in Paris in die Arme schließen kann. Darauf freue ich mich nun wirklich am meisten aber auch auf den Moment, wenn ich zum aller letzten mal die Ziellinie auf dem “Champs-Élysées” überqueren werde.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, Euer Seppel

Glücksbringer

Donnerstag, Juli 21st, 2011

Der Glaube versetzt Berge, in unserem Fall, versetzt er uns hoffentlich über dieses Berge. Vor jedem Start Küsse ich meinen Ehering und glaube ganz fest an meine beiden liebsten Zuhause. Das gibt mir Zuversicht und Selbstvertrauen. Es soll mich aber auch beschützen und mir die Kraft geben diese schweren Hürden zu überwinden. Was für den einen Glaube ist, ist für den anderen ein Glücksbringer.

Bei fast jedem Fahrer im Feld kann man diese kleinen oder größeren Glücksbringer entdecken. Manche haben es an ihrem Helm, viele tragen eine Kette mit dem Glücksbringer um den Hals, oder kleine Kuscheltier als Glücksbringer, Armbänder und vieles mehr.
Ich selbst trage immer eine Kette um meinen Hals an dem unser Verlobungsring hängt. Außerdem befindet sich daran ein kleines Medaillon auf der mein Sohn und meine Frau eingraviert sind. Emilio hat mir auch ein Kuscheltier ausgesucht nachdem mir im letzten Wintertraining alles geklaut wurde. Meine Glücksbringer die mich Jahre lang begleitet sind mit einem Schlag weg gewesen.
Und hoffentlich werden die Glücksbringer mich nicht nur in den gefährlichen Abfahrten beschützen. Zusammen mit dem Glauben an das liebste Zuhause, sollen sie mich über die kommenden Berge bekleiden und mir die nötige Ausdauer und Kraft geben. Schließlich folgt heute die Königsetappe und dann der kurze aber extrem schwere Tag nach Alpe-D’Huez.

Bis dann,
Euer Seppel

Sinnlose Raserei…

Dienstag, Juli 19th, 2011

Anscheinend waren alle vom Ruhetag so sehr ausgeruht, dass es heute eine echte “Hatz” war. Nach etwas mehr als zwei Rennstunden hatten wir 105 Kilometer auf dem Tacho stehen und das bei einem durchschnittlichen Wattwert von 310! Erst nach der sinnlosen langen Raserei konnten sich 10 Fahrer absetzen. Zwar habe ich es immer wieder probiert, aber es hat nicht gereicht und das war wohl auch besser so. Heute hätte ich nicht die Beine gehabt um da vorne wirklich mit zu fahren.

Etwas Gutes kann ich diesem Tag dennoch abgewinnen, wir hatten wieder sehr schnell Feierabend. Dafür kommen am Mittwoch und Donnerstag sehr lange Tage auf uns zu. Nun zähle ich die Tage bis es hoffentlich Sonntag ist und ich wüsste, dass ich meine siebte Teilnahme auch beenden konnte.

Wir hatten aber vor dem Rennen noch viel zu lachen. Erst ist Philippe Gilbert mit dem Bus den letzten Kilometer zum Start gefahren. Wie täglich stand die Presse vorm Bus und wollten Interviews vom belgischen Meister und Jelle Vanendert dem Führenden in der Bergwertung. Marcel Sieberg hat dann spontan das Trikot von Philippe angezogen und ist raus, da haben die Leute vorm Bus nicht schlecht geschaut. Und wir lagen lachend am Boden im Bus. Danach zog André dann das Bergtrikot an und ist ebenfalls raus gegangen. Wir konnten nicht mehr vor lachen und hatten einen Riesen Spaß. Also wie ihr seht, selbst wenn wir täglich Leiden, ist die Stimmung gut.

Bis morgen, dann wohl aus Italien
Euer Seppel

Zweiter Ruhetag, wieder kurze Haare …

Montag, Juli 18th, 2011

Vor dem letzten und somit zweiten Ruhetag der diesjährigen 98° Austragung der Tour de France mussten wir die 15.Etappe hinter uns bringen. Dank des starken Windes gab es nicht den angekündigten Regen, aber dafür eine sehr nervöse Etappe. Nach wenigen Kilometern waren fünf Fahrer auf und davon und somit für alle Fahrer ganz schnell klar, dass es eine Sprintentscheidung geben wird. Am Ende gewinnt “Mark Cavendish” seine 4.Etappe bei dieser Tour und baut somit seinen Vorsprung im Kampf um das grüne Trikot weiter aus.

Der Wind hat so stark von Links Hinten geblasen, dass es den ganzen Tag sehr nervös im Fahrerfeld zuging. Die Sprinter Teams wollten ihre Sprinter vorne halten, die Klassement Fahrer ebenso und im Endeffekt wollten eben alle vorne fahren. Angst auf der berüchtigten “Windkante” fliegen zu gehen tat ihr übriges. Es war eine sehr unangenehme Etappe, so viele Ortsdurchfahrten und ein ständiger Richtungswechsel davor oder danach. Wenn du dann nur einmal weiter hinten bist und aus dem Ort wieder raus fährst, kannst du gute 500 Meter nach vorne schauen. Dort siehst du dann die Spitze des Feldes und dahinter eine lange Kette von Rennfahrern. Du erkennst dann ganz genau wann es für dich an der Zeit ist aus dem Sattel zu gehen und los zu sprinten. Diese Ziehharmonika macht dich auf Dauer echt mürbe.

Nach der Etappe sind wir vier Stunden Bus gefahren um in das nächste Hotel zu kommen. Gemeinsam haben wir auf die Massage verzichtet und viertel vor zehn unser Abendessen zu uns genommen. Müde ging es dann ins Bett und ich habe wie ein Brummbär geschlafen.

Entspannt ging es dann in den zweiten und letzten Ruhetag. Etwas länger im Bettchen bleiben, keine Sachen packen, nicht an den Start fahren, eben ganz entspannt. Zusammen sind wir dann eine Stunde gerollt und haben uns am Ende der Trainingsfahrt ein kühles Getränk gegönnt.

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Die ersten Meter bin ich mit dem Motorrad gefahren von dem Fotograf, den ich nun länger kenne und dessen Motorrad ich schon letztes Jahr auf dem „Champs-Élysées“ gefahren habe. Da haben die Jungs nicht schlecht geschaut. Und Jelle Vanendert ist schön in meinem Windschatten hinter mir her gefahren.

lang_vanendert

Den restlichen Tag nutzen wir um uns von dem Osteopath checken zu lassen, eine ausgiebige Massage und ganz neu, einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Also schon purer Luxus, den wir haben, aber morgen denke ich da wieder anders drüber. Dann kommen die Alpen und die letzte Tour Woche wird noch einmal sehr anspruchsvoll.

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Sportlicher Gruß, Euer Seppel

Etappenvorbereitung

Samstag, Juli 16th, 2011

Dritter Etappensieg für das Team bei der diesjährigen Tour de France. Jelle Vanendert gewinnt die schwerste Pyrenäenetappe 2011 im Alleingang. So haben wir neben dem Geburtstag von André Greipel noch mehr zu feiern heute Abend.

 

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Mit diesem Beitrag möchte ich euch einmal mehr etwas näher bringen, was ihr am Fernseher oder sonst nicht unbedingt mitbekommt.

Für einen Radprofi ist die Frankreichrundfahrt das größte und wichtigste Rennen der Saison. Neben dem Titel des Weltmeisters ist ein Etappensieg bei der Tour de France noch mehr Wert für einen Radprofi. Ganz zu schweigen vom Gesamtsieg. Das ist wohl absolut das Höchste, was man erreichen kann.

Dieser hohe Stellenwert hat über die letzten Jahre vor allem die Vorbereitung auf dieses sportliche Highlight verändert. Die Favoriten für den Gesamtsieg gehen alle samt lange im Vorfeld auf Etappenbesichtigung. Dabei fahren sie Schlüsseletappen ab und machen sich ein Bild von den Bergen und den Anfahrten in diese Berge und den Abfahrten. Auch Jurgen Van den Broeck hat das mit “Herman Frison” gemacht. Für jede Bergetappe hat unser sportlicher Leiter neben dem “Road-Book” einen selbst geschriebenen Zettel mit genauen Details der einzelnen Bergetappen. Philippe Gilbert und andere Fahrer studieren dann genau, wie der eine oder andere Anstieg im Detail ist.

Neben dieser Vorbereitung lesen wir am Abend vorher und erneut vor dem Start in unserem ” Road-Book”. Dieses Buch beinhaltet alle Etappen und zeigt uns die Streckenführung auf einer Landkarte, das Höhenprofil, Zielanfahrten und Gefahrenstellen auf den letzten 5 Kilometern, Streckenplan mit Zeitangaben und bereits berechnete Durchschnittsgeschwindigkeiten. Zudem Informationen zur Länge der Neutralisation, zur Länge der einzelnen Bergwertungen sowie deren durchschnittliche Steigung, wann der Verpflegungspunkt kommt und noch einiges mehr.

Wie ihr also seht, steckt viel Vorbereitung vor jeder einzelnen Etappe. Wir beschäftigen uns ganz genau mit diesen Angaben und der ein oder andere hat das ganze eben schon Vorher mit dem Rad in echt gesehen.

Euer Seppel Lang

Keine einzige Tour de France ohne Sturz …

Samstag, Juli 16th, 2011

Mit meiner siebten Teilnahme habe ich doch tatsächlich bei allen Teilnahmen auf der Nase gelegen. So bin ich auf dem 13. Teilstück von 21 Etappen gestürzt und habe mir zum Glück nicht allzu viel getan. Ich muss mir aber selbst eingestehen, dass ich wohl etwas unkonzentriert war und im Bruchteil einer Sekunde ist es dann passiert.

lang_sturz

Mit dem “Col d’Aubisque” hatten wir nur einen richtigen langen und schweren Berg zu bewältigen. Doch von Anfang an war das Tempo sehr hoch und ein typischer Start bei einer Tour Etappe. Etwas chaotisch im Zwischensprint und nicht wirklich gut vorbereitet konnte Philippe keine Punkte dort holen. Dafür hat er dann am Ende noch einmal gepunktet.

Während wir heute eine wirklich überschaubare Etappenführung hatten und es keine Probleme hätte geben können was das Zeitlimit betrifft, sieht das ganze morgen schon anders aus.

Es wird mit Abstand die schwerste Etappe in den Pyrenäen und mit der Bergankunft “Plateau de Beille” ein richtiger Kampf. Sechs Berge der obersten Kategorien werden morgen viel Kraft aus unserem Leib ziehen. Die Karenzzeit wird ja je nach Etappe und der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Siegers berechnet. So hat jede Etappe eine Kategorie von 1-6 und je nach der Kategorie kann man dann nachlesen wie viel Prozent Karenzzeit man hat. Morgen haben wir eine Etappe der 3.Kategorie. Wenn der Sieger dann einen Durchschnitt zwischen 33km/h und 34km/h hat, haben wir zehn Prozent Karenzzeit. Die Etappe ist 168km lang und mit einem Schnitt von 33km/h wird der Sieger ungefähr 5h10min fahren (310min). Davon 10% ergibt 31 Minuten die wir mehr fahren könnten. Alles darüber wird im Ergebnis als HD (Hours Delayed) deklariert und bedeutet soviel wie, über dem Zeitlimit.

Umso schneller der gefahrene Durchschnitt ist, umso mehr Prozent Karenz bekommt man am Ende. Eines ist mir aber noch vor dem morgigen Tag bewusst, 31 Minuten, dass ist nicht viel für eine solche Etappe.

Einen zeitlich begrenzten Gruß, Euer Seppel