Glücklich und mit innerer Zufriedenheit teile ich euch heute mit, dass dies meine letzte Frankreich Rundfahrt sein wird. Ich hatte bereits mehrfach angekündigt, dass ich mein Rad an den Nagel hängen will.
Rückblick
2002 begann für mich im Team Gerolsteiner eine Profilaufbahn mit vielen wundervollen Erlebnissen. Gemeinsam wuchsen wir im Schatten des bekannten Team Telekom nach und nach zu der Top-Mannschaft Deutschlands. Wir galten immer als „familiäre“ Gruppe. Und das kann ich hier nur noch einmal bestätigen. Jahr um Jahr entwickelte sich das Team und auch ich reifte als Profi. Neben dem Deutschen Meistertitel im Kampf gegen die Uhr konnte ich viele andere Siege feiern und genießen.
2004 war privat ein sehr schweres Jahr aber der Radsport hat mir neben meinen Freunden und der Familie viel Halt gegeben. Zudem wurde in diesem Jahr ein Kindheitstraum Wirklichkeit: meine erste Tour-de-France-Teilnahme. Es war bis dahin immer das ferne Rennen, welches ich früher im Sommer als Sportschüler im Fernsehen verfolgte.
Es waren wundervolle Jahre. Jahre, auf die ich mit Stolz und innerer Zufriedenheit zurückblicken kann. In meiner gesamten Laufbahn habe ich eine eigene klare Linie gewählt und mich nie von anderen in eine Rolle zwängen lassen. Meine offene und direkte Art führte sicherlich auch sehr oft dazu, dass sich viele vor den Kopf gestoßen fühlten. Doch leider gab es neben den schönen Momenten auch immer wieder sehr traurige Momente.
Der Radsport hat sich verändert. Verändert, weil vor allem die großen Betrüger das Image beschädigten. Aber auch weil die Presse sich noch immer sehr schwer tut, diese Sportart genauso zu behandeln wie alle anderen Sportarten auch.
Neben den negativen Geschehnissen konnte ich aber vor allem privat im Jahr 2008 mit der Geburt meines Sohnes neuen Halt schöpfen. Familie ist für mich das Wichtigste in meinem Leben und ich möchte meinem Jungen immer mit ruhigem Gewissen von damals erzählen können.
Mit dem Wechsel in die belgische Pro Tour Mannschaft „Silence – Lotto“ jetzt „OmegaPharma – Lotto“ fand ich zu neuer Motivation. Es gab wieder viel mehr Rennen, an denen ich Freude und Spaß verspürte und durch die ich motiviert war, mir all diese Strapazen aufzuerlegen.
Weder das Sturzrisiko, noch die vielen Tage getrennt von Zuhause, die vielen Trainingsstrapazen, ein Abmeldesystem welches in meinen Augen menschenrechtlich sehr fraglich ist, ein Weltverband, der uns immer neue Verbote ausspricht (Funk, Zeitfahrradeinstellungen u.v.m.) oder die anhaltenden Dopingfälle sind nicht die Gründe, warum ich meine Karriere mit 32 Jahren beende.
Wenn ich mich mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das Realist. Und mir ist nur zu klar, dass ich zwar noch einige Jahre fahren könnte, aber dass der Weg in ein neues berufliches Umfeld immer schwerer werden würde.
Mit dem Sportpark Johannesplatz in Erfurt bekam ich letzten Endes eine gute Chance, mir etwas Neues aufbauen zu können. Dieser Weg wird sehr steinig, eine große Umstellung für mich und auch meine Familie. Doch wenn ich mir sicher bin, dann damit, dass ich mit meinem Biss und meinem Ehrgeiz auch diese Herausforderung meistern werde. Ich freue mich jetzt schon auf das gesamte Team vom Sportpark und darauf, mit ihnen zusammen zu arbeiten.
Doch bevor es soweit ist, werde ich bei jedem Rennen mein Bestes für mein Team geben. – Denn das bin ich. Ich werde mich jetzt nicht zurück legen und das Ganze locker betrachten. Im Gegenteil, Etappensiege wie heute durch Andre Greipel bestätigen nur, dass es richtig ist, alles für und miteinander zu geben, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Für mich wird der Radsport immer einen festen Platz in meinem Herzen haben.
Ein großes Dankeschön für alles an: Mutti und Vati, Schwesterherz, Mary und Emilio, meine Schwiegereltern und überhaupt die Familie. An meine Trainer Horst Werner Freiberger und Jens Lang. Aber auch an meine besten Freunde Jan Hollitzer, Christian Bach, Matthias John, Uwe Rindermann und noch so viele mehr.
Ihr alle habt an mich geglaubt, habt bestimmt am Fernseher oft mitgelitten, habt mich so akzeptiert wie ich bin und immer ein offenes Ohr gehabt. Ihr alle seid mehr als der Halt, den ich immer brauchte und immer hatte.
Danke