Archive for the ‘Seppel’s Tour Blog’ Category

Die letzten Kilometer der Tour de France 2011

Sonntag, Juli 24th, 2011

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als wir die Strecke von der ersten Etappe abgefahren sind und die Zeitfahrstrecke besichtigt haben. Und am 2.Juli 2011 begann meine siebte Tour de France. Nach zehn Jahren Profisportler und zahlreichen großen Rennen, war dies mit Abstand meine härteste Prüfung. Wenn ich heute, nach dem 43km langen Zeitfahren zurück blicke, sehe ich neben den vielen Highlights auch viel Leiden. Noch nie in meiner Laufbahn habe ich mir so schwer getan eine dreiwöchige Rundfahrt zu beenden. Tag um Tag habe ich mich ins Ziel gekämpft. Während es am Anfang noch alles ganz gut lief, kam mit den ersten schweren Bergetappen leider auch der Scheitelpunkt des Scheiterns näher. Wenn dir der Schweiß übers Gesicht läuft, du nach Luft ringst, und dein Puls bei 190 Schlägen pro Minute ist. Noch 5 Berge bis zum Tagesziel, noch zehn Etappen, noch mehr Berge, noch mehr Schmerzen. Du sitzt auf dem Sattel obwohl dir der Hintern weh tut, deine Verstand spielen mit dir. Nächste Bergwertung “14km” und vor dir eine große Traube von Rennfahrern, bei denen es um einiges leichter aussieht. Dann fängst du an den Lenker zu verbiegen und Kämpfst mit dir selbst, noch einmal den Blick auf den Radcomputer, nur noch 3km bis oben. Wieder eine Bergwertung geschafft, das Tagesziel kommt näher.

24.Juli 2011
Mit der 21.Etappe werde ich die letzten Kilometer meiner letzten Tour de France bestreiten. Schwerpunkt der Etappe wird es sein, André Greipel so gut es nur geht für den Sprint zu unterstützen.

Wenn du das bisschen Teufel in dir täglich besiegt hast, ist das auch ein Sieg, so fühlt es sich zumindest an. Zugleich sind es die letzten Zeilen an euch Leser. Die letzten Zeilen hier an meine und unsere Fans. An Fans die an der Rennstrecke standen und uns/mich angefeuert haben. Danke für die Unterstützung und die Erfurter sowie Sonneberger an der Rennstrecke.

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Euch allen da draußen, Alles Gute, und viel Spaß beim Radeln in der Zukunft.

Euer Sebastian Lang

Paris kommt näher …

Samstag, Juli 23rd, 2011

Die letzten beiden Alpenetappen waren nicht nur zeitraubend, sie waren auch kräftezehrend. Was das Zeitlimit angeht verstehe ich weder die Einstufung noch die Angaben zu den einzelnen Etappen der Rennorganisation. Es gab Etappen, auf denen wir mit 14min Rückstand angekommen sind und das Zeitlimit bei 43 Minuten lag. Diese Etappen waren im Vergleich zu den beiden Königsetappen in den Alpen aber lange nicht so schwer. Wo ist da bitte die Verhältnismäßigkeit!

Kilometer um Kilometer, Berg um Berg bin ich dem großen Ziel in Paris damit etwas näher gekommen. Ich kann euch versichern, dass diese Strapazen der letzten Tage immer wieder die schlimmsten einer gesamten Rennsaison sind. Sieben Tour Teilnahmen habe ich dann auf meinem Konto als Profi und alle beendet. Davon gehe ich nach dem heutigen Tag aus, denn im Zeitfahren sollte ich die Karenzzeit dann doch schaffen.

Die letzten 13,8km der “Alpe-D’Huez” Etappe werden nun für immer in meiner Erinnerung bleiben. Meine Gedanken sind Karussell gefahren, während immer wieder im “Grupetto” geschrien wurde, langsamer fahren, habe ich an all die Momente gedacht aus der Vergangenheit. Es hat mich sehr bewegt da ich diese Fahrt auch als Abschied sehe. Mit “Alpe-D’Huez” im Jahr 2004, habe ich diesen Mythos zum ersten mal bezwungen. Damals war es ein Bergzeitfahren und es war meine aller erste Tour de France. Von so vielen Menschen angefeuert zu werden, dass ist einzigartig und ein ganz besonderer Moment.

Danke an alle Radsportfans….

Nun trennen mich nur noch zwei Nächte und wenige Kilometer bis ich meinen Sohn und meine Frau in Paris in die Arme schließen kann. Darauf freue ich mich nun wirklich am meisten aber auch auf den Moment, wenn ich zum aller letzten mal die Ziellinie auf dem “Champs-Élysées” überqueren werde.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, Euer Seppel

Glücksbringer

Donnerstag, Juli 21st, 2011

Der Glaube versetzt Berge, in unserem Fall, versetzt er uns hoffentlich über dieses Berge. Vor jedem Start Küsse ich meinen Ehering und glaube ganz fest an meine beiden liebsten Zuhause. Das gibt mir Zuversicht und Selbstvertrauen. Es soll mich aber auch beschützen und mir die Kraft geben diese schweren Hürden zu überwinden. Was für den einen Glaube ist, ist für den anderen ein Glücksbringer.

Bei fast jedem Fahrer im Feld kann man diese kleinen oder größeren Glücksbringer entdecken. Manche haben es an ihrem Helm, viele tragen eine Kette mit dem Glücksbringer um den Hals, oder kleine Kuscheltier als Glücksbringer, Armbänder und vieles mehr.
Ich selbst trage immer eine Kette um meinen Hals an dem unser Verlobungsring hängt. Außerdem befindet sich daran ein kleines Medaillon auf der mein Sohn und meine Frau eingraviert sind. Emilio hat mir auch ein Kuscheltier ausgesucht nachdem mir im letzten Wintertraining alles geklaut wurde. Meine Glücksbringer die mich Jahre lang begleitet sind mit einem Schlag weg gewesen.
Und hoffentlich werden die Glücksbringer mich nicht nur in den gefährlichen Abfahrten beschützen. Zusammen mit dem Glauben an das liebste Zuhause, sollen sie mich über die kommenden Berge bekleiden und mir die nötige Ausdauer und Kraft geben. Schließlich folgt heute die Königsetappe und dann der kurze aber extrem schwere Tag nach Alpe-D’Huez.

Bis dann,
Euer Seppel

Sinnlose Raserei…

Dienstag, Juli 19th, 2011

Anscheinend waren alle vom Ruhetag so sehr ausgeruht, dass es heute eine echte “Hatz” war. Nach etwas mehr als zwei Rennstunden hatten wir 105 Kilometer auf dem Tacho stehen und das bei einem durchschnittlichen Wattwert von 310! Erst nach der sinnlosen langen Raserei konnten sich 10 Fahrer absetzen. Zwar habe ich es immer wieder probiert, aber es hat nicht gereicht und das war wohl auch besser so. Heute hätte ich nicht die Beine gehabt um da vorne wirklich mit zu fahren.

Etwas Gutes kann ich diesem Tag dennoch abgewinnen, wir hatten wieder sehr schnell Feierabend. Dafür kommen am Mittwoch und Donnerstag sehr lange Tage auf uns zu. Nun zähle ich die Tage bis es hoffentlich Sonntag ist und ich wüsste, dass ich meine siebte Teilnahme auch beenden konnte.

Wir hatten aber vor dem Rennen noch viel zu lachen. Erst ist Philippe Gilbert mit dem Bus den letzten Kilometer zum Start gefahren. Wie täglich stand die Presse vorm Bus und wollten Interviews vom belgischen Meister und Jelle Vanendert dem Führenden in der Bergwertung. Marcel Sieberg hat dann spontan das Trikot von Philippe angezogen und ist raus, da haben die Leute vorm Bus nicht schlecht geschaut. Und wir lagen lachend am Boden im Bus. Danach zog André dann das Bergtrikot an und ist ebenfalls raus gegangen. Wir konnten nicht mehr vor lachen und hatten einen Riesen Spaß. Also wie ihr seht, selbst wenn wir täglich Leiden, ist die Stimmung gut.

Bis morgen, dann wohl aus Italien
Euer Seppel

Zweiter Ruhetag, wieder kurze Haare …

Montag, Juli 18th, 2011

Vor dem letzten und somit zweiten Ruhetag der diesjährigen 98° Austragung der Tour de France mussten wir die 15.Etappe hinter uns bringen. Dank des starken Windes gab es nicht den angekündigten Regen, aber dafür eine sehr nervöse Etappe. Nach wenigen Kilometern waren fünf Fahrer auf und davon und somit für alle Fahrer ganz schnell klar, dass es eine Sprintentscheidung geben wird. Am Ende gewinnt “Mark Cavendish” seine 4.Etappe bei dieser Tour und baut somit seinen Vorsprung im Kampf um das grüne Trikot weiter aus.

Der Wind hat so stark von Links Hinten geblasen, dass es den ganzen Tag sehr nervös im Fahrerfeld zuging. Die Sprinter Teams wollten ihre Sprinter vorne halten, die Klassement Fahrer ebenso und im Endeffekt wollten eben alle vorne fahren. Angst auf der berüchtigten “Windkante” fliegen zu gehen tat ihr übriges. Es war eine sehr unangenehme Etappe, so viele Ortsdurchfahrten und ein ständiger Richtungswechsel davor oder danach. Wenn du dann nur einmal weiter hinten bist und aus dem Ort wieder raus fährst, kannst du gute 500 Meter nach vorne schauen. Dort siehst du dann die Spitze des Feldes und dahinter eine lange Kette von Rennfahrern. Du erkennst dann ganz genau wann es für dich an der Zeit ist aus dem Sattel zu gehen und los zu sprinten. Diese Ziehharmonika macht dich auf Dauer echt mürbe.

Nach der Etappe sind wir vier Stunden Bus gefahren um in das nächste Hotel zu kommen. Gemeinsam haben wir auf die Massage verzichtet und viertel vor zehn unser Abendessen zu uns genommen. Müde ging es dann ins Bett und ich habe wie ein Brummbär geschlafen.

Entspannt ging es dann in den zweiten und letzten Ruhetag. Etwas länger im Bettchen bleiben, keine Sachen packen, nicht an den Start fahren, eben ganz entspannt. Zusammen sind wir dann eine Stunde gerollt und haben uns am Ende der Trainingsfahrt ein kühles Getränk gegönnt.

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Die ersten Meter bin ich mit dem Motorrad gefahren von dem Fotograf, den ich nun länger kenne und dessen Motorrad ich schon letztes Jahr auf dem „Champs-Élysées“ gefahren habe. Da haben die Jungs nicht schlecht geschaut. Und Jelle Vanendert ist schön in meinem Windschatten hinter mir her gefahren.

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Den restlichen Tag nutzen wir um uns von dem Osteopath checken zu lassen, eine ausgiebige Massage und ganz neu, einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Also schon purer Luxus, den wir haben, aber morgen denke ich da wieder anders drüber. Dann kommen die Alpen und die letzte Tour Woche wird noch einmal sehr anspruchsvoll.

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Sportlicher Gruß, Euer Seppel

Etappenvorbereitung

Samstag, Juli 16th, 2011

Dritter Etappensieg für das Team bei der diesjährigen Tour de France. Jelle Vanendert gewinnt die schwerste Pyrenäenetappe 2011 im Alleingang. So haben wir neben dem Geburtstag von André Greipel noch mehr zu feiern heute Abend.

 

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Mit diesem Beitrag möchte ich euch einmal mehr etwas näher bringen, was ihr am Fernseher oder sonst nicht unbedingt mitbekommt.

Für einen Radprofi ist die Frankreichrundfahrt das größte und wichtigste Rennen der Saison. Neben dem Titel des Weltmeisters ist ein Etappensieg bei der Tour de France noch mehr Wert für einen Radprofi. Ganz zu schweigen vom Gesamtsieg. Das ist wohl absolut das Höchste, was man erreichen kann.

Dieser hohe Stellenwert hat über die letzten Jahre vor allem die Vorbereitung auf dieses sportliche Highlight verändert. Die Favoriten für den Gesamtsieg gehen alle samt lange im Vorfeld auf Etappenbesichtigung. Dabei fahren sie Schlüsseletappen ab und machen sich ein Bild von den Bergen und den Anfahrten in diese Berge und den Abfahrten. Auch Jurgen Van den Broeck hat das mit “Herman Frison” gemacht. Für jede Bergetappe hat unser sportlicher Leiter neben dem “Road-Book” einen selbst geschriebenen Zettel mit genauen Details der einzelnen Bergetappen. Philippe Gilbert und andere Fahrer studieren dann genau, wie der eine oder andere Anstieg im Detail ist.

Neben dieser Vorbereitung lesen wir am Abend vorher und erneut vor dem Start in unserem ” Road-Book”. Dieses Buch beinhaltet alle Etappen und zeigt uns die Streckenführung auf einer Landkarte, das Höhenprofil, Zielanfahrten und Gefahrenstellen auf den letzten 5 Kilometern, Streckenplan mit Zeitangaben und bereits berechnete Durchschnittsgeschwindigkeiten. Zudem Informationen zur Länge der Neutralisation, zur Länge der einzelnen Bergwertungen sowie deren durchschnittliche Steigung, wann der Verpflegungspunkt kommt und noch einiges mehr.

Wie ihr also seht, steckt viel Vorbereitung vor jeder einzelnen Etappe. Wir beschäftigen uns ganz genau mit diesen Angaben und der ein oder andere hat das ganze eben schon Vorher mit dem Rad in echt gesehen.

Euer Seppel Lang

Keine einzige Tour de France ohne Sturz …

Samstag, Juli 16th, 2011

Mit meiner siebten Teilnahme habe ich doch tatsächlich bei allen Teilnahmen auf der Nase gelegen. So bin ich auf dem 13. Teilstück von 21 Etappen gestürzt und habe mir zum Glück nicht allzu viel getan. Ich muss mir aber selbst eingestehen, dass ich wohl etwas unkonzentriert war und im Bruchteil einer Sekunde ist es dann passiert.

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Mit dem “Col d’Aubisque” hatten wir nur einen richtigen langen und schweren Berg zu bewältigen. Doch von Anfang an war das Tempo sehr hoch und ein typischer Start bei einer Tour Etappe. Etwas chaotisch im Zwischensprint und nicht wirklich gut vorbereitet konnte Philippe keine Punkte dort holen. Dafür hat er dann am Ende noch einmal gepunktet.

Während wir heute eine wirklich überschaubare Etappenführung hatten und es keine Probleme hätte geben können was das Zeitlimit betrifft, sieht das ganze morgen schon anders aus.

Es wird mit Abstand die schwerste Etappe in den Pyrenäen und mit der Bergankunft “Plateau de Beille” ein richtiger Kampf. Sechs Berge der obersten Kategorien werden morgen viel Kraft aus unserem Leib ziehen. Die Karenzzeit wird ja je nach Etappe und der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Siegers berechnet. So hat jede Etappe eine Kategorie von 1-6 und je nach der Kategorie kann man dann nachlesen wie viel Prozent Karenzzeit man hat. Morgen haben wir eine Etappe der 3.Kategorie. Wenn der Sieger dann einen Durchschnitt zwischen 33km/h und 34km/h hat, haben wir zehn Prozent Karenzzeit. Die Etappe ist 168km lang und mit einem Schnitt von 33km/h wird der Sieger ungefähr 5h10min fahren (310min). Davon 10% ergibt 31 Minuten die wir mehr fahren könnten. Alles darüber wird im Ergebnis als HD (Hours Delayed) deklariert und bedeutet soviel wie, über dem Zeitlimit.

Umso schneller der gefahrene Durchschnitt ist, umso mehr Prozent Karenz bekommt man am Ende. Eines ist mir aber noch vor dem morgigen Tag bewusst, 31 Minuten, dass ist nicht viel für eine solche Etappe.

Einen zeitlich begrenzten Gruß, Euer Seppel

Französischer Nationalfeiertag …

Donnerstag, Juli 14th, 2011

Am 14.July feiern die Franzosen ihren Nationalfeiertag und das bedeutet ihnen sehr viel. Am Start wahren tausende Menschen, die “Thomas Voeckler” zu jubelten und ihn feierten. Er ist der Träger des gelben Trikots und hat es auch auf dieser ersten schweren Prüfung verteidigt. Irgendwie konnte ich es gar nicht richtig glauben, dass bereits nach vier Kilometern die 6-köpfige Spitzengruppe fest stand. Denn auch für alle französischen Fahrer ist der Nationalfeiertag etwas ganz wichtiges. Bei meiner aller ersten Tour de France dauerte es weit mehr als eine Rennstunde bis sich eine Fluchtgruppe absetzen konnte.

Generell gab es bei fast allen Etappen keine große Gegenwehr, als sich Spitzengruppen bildeten. Zwei Tage hatte es einmal länger gedauert bis wirklich jemand auf und davon war. In meinen Augen liegt es vor allem an den Rennfahrern die sich ihre Kräfte noch besser einteilen. Da wird nicht mehr wie verrückt drauf los attackiert, da sich jeder genau überlegt, wann er die Power auf die Straße bringt. Das verändert auch taktische Entscheidungen und mitunter den Rennverlauf. So war sich Jens Voigt im Gespräch mit mir doch sehr sicher, dass Thomas Voeckler sein Führungstrikot nicht verteidigen wird, wobei ich hingegen zu Jens sagte, dass er es verteidigen wird.

Die gesamte Leistungsdichte im Fahrerfeld ist noch enger geworden. Selbst an der Spitze des Rennens kann man das immer wieder erkennen, es gibt nicht mehr den absoluten Dominator.

Ein richtig starkes Rennen hatte heute Jelle Vanendert von uns gezeigt. Respekt, dass er auf einer solchen schweren Gebirgsetappe am Tagesende den zweiten Platz belegt.

Ich für meinen Teil habe den “Col du Tourmalet” trotz Strapazen genossen. Im Rennsattel und mit so vielen Zuschauern werde ich ihn nicht mehr beklimmen. Währendessen musste ich auch an einen sehr guten Film denken, den ich euch allen nur empfehlen kann. “Phantomschmerz”, ein sehr guter Film indem es um Radfahren geht und diesem Mythos von Berg.

Sportlichen Gruß, Euer Seppel

Jetzt hat es aber genug geregnet …

Mittwoch, Juli 13th, 2011

Von all meinen Teilnahmen beim “Grande Boucles” leide ich bei dieser Auflage richtig. Ihr könnt mich alle ruhig “Schönwetterfahrer” nennen, aber so langsam liegen bei mir die Nerven blank mit all dem Regen. Neben den hektischen und unruhigen Etappen in der ersten Woche, hat sich die Sonne immer mehr versteckt. Fast täglich haben wir auf eine Wetterbesserung gehofft. Teilweise geht uns langsam die Kleidung aus. Rennhose, Trikot und Socken sehen nach zwei Etappen im Regen nicht mehr wirklich toll aus. Vor allem die Socken und die Hosen sind nach solchen Tagen nicht mehr zu gebrauchen.

André kommt richtig in Fahrt und konnte ja gestern die Etappe gewinnen. Somit hat er allen Kritikern gezeigt, dass er nicht nur kleine Rennen gewinnen kann. Mit einem zweiten Platz auf der heutigen Etappe hätte er fast seine zweite Touretappe gewonnen. Man kann also sagen das Mark Cavendish und André Greipel die zwei schnellsten bei der diesjährigen Tour de France sind.

Was Schnelligkeit betrifft werden wir ab morgen ganz andere Zahlen auf unserem Fahrradcomputer sehen. Denn ab morgen fahren wir in die Pyrenäen, und ab dann wird es richtig sportlich. Es wird nicht der Showdown von Cavendish und Greipel. So werden ab morgen die Fahrer im Kampf um die Gesamtwertung, zum ersten mal ihre Karten offen legen müssen.

Und wie jeden Tag hoffe ich auf morgen wieder auf Sonne und das der Regen nun ganz weit weg bleibt.

Einen sportlichen, durchnässten Gruß, Euer Seppel

Das wird meine letzte Tour de France sein …

Dienstag, Juli 12th, 2011

Glücklich und mit innerer Zufriedenheit teile ich euch heute mit, dass dies meine letzte Frankreich Rundfahrt sein wird. Ich hatte bereits mehrfach angekündigt, dass ich mein Rad an den Nagel hängen will.

Rückblick

2002 begann für mich im Team Gerolsteiner eine Profilaufbahn mit vielen wundervollen Erlebnissen. Gemeinsam wuchsen wir im Schatten des bekannten Team Telekom nach und nach zu der Top-Mannschaft Deutschlands. Wir galten immer als „familiäre“ Gruppe. Und das kann ich hier nur noch einmal bestätigen. Jahr um Jahr entwickelte sich das Team und auch ich reifte als Profi. Neben dem Deutschen Meistertitel im Kampf gegen die Uhr konnte ich viele andere Siege feiern und genießen.

2004 war privat ein sehr schweres Jahr aber der Radsport hat mir neben meinen Freunden und der Familie viel Halt gegeben. Zudem wurde in diesem Jahr ein Kindheitstraum Wirklichkeit: meine erste Tour-de-France-Teilnahme. Es war bis dahin immer das ferne Rennen, welches ich früher im Sommer als Sportschüler im Fernsehen verfolgte.

Es waren wundervolle Jahre. Jahre, auf die ich mit Stolz und innerer Zufriedenheit zurückblicken kann. In meiner gesamten Laufbahn habe ich eine eigene klare Linie gewählt und mich nie von anderen in eine Rolle zwängen lassen. Meine offene und direkte Art führte sicherlich auch sehr oft dazu, dass sich viele vor den Kopf gestoßen fühlten. Doch leider gab es neben den schönen Momenten auch immer wieder sehr traurige Momente.

Der Radsport hat sich verändert. Verändert, weil vor allem die großen Betrüger das Image beschädigten. Aber auch weil die Presse sich noch immer sehr schwer tut, diese Sportart genauso zu behandeln wie alle anderen Sportarten auch.

Neben den negativen Geschehnissen konnte ich aber vor allem privat im Jahr 2008 mit der Geburt meines Sohnes neuen Halt schöpfen. Familie ist für mich das Wichtigste in meinem Leben und ich möchte meinem Jungen immer mit ruhigem Gewissen von damals erzählen können.

Mit dem Wechsel in die belgische Pro Tour Mannschaft „Silence – Lotto“ jetzt „OmegaPharma – Lotto“ fand ich zu neuer Motivation. Es gab wieder viel mehr Rennen, an denen ich Freude und Spaß verspürte und durch die ich motiviert war, mir all diese Strapazen aufzuerlegen.

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Weder das Sturzrisiko, noch die vielen Tage getrennt von Zuhause, die vielen Trainingsstrapazen, ein Abmeldesystem welches in meinen Augen menschenrechtlich sehr fraglich ist, ein Weltverband, der uns immer neue Verbote ausspricht (Funk, Zeitfahrradeinstellungen u.v.m.) oder die anhaltenden Dopingfälle sind nicht die Gründe, warum ich meine Karriere mit 32 Jahren beende.

Wenn ich mich mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das Realist. Und mir ist nur zu klar, dass ich zwar noch einige Jahre fahren könnte, aber dass der Weg in ein neues berufliches Umfeld immer schwerer werden würde.

Mit dem Sportpark Johannesplatz in Erfurt bekam ich letzten Endes eine gute Chance, mir etwas Neues aufbauen zu können. Dieser Weg wird sehr steinig, eine große Umstellung für mich und auch meine Familie. Doch wenn ich mir sicher bin, dann damit, dass ich mit meinem Biss und meinem Ehrgeiz auch diese Herausforderung meistern werde. Ich freue mich jetzt schon auf das gesamte Team vom Sportpark und darauf, mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Doch bevor es soweit ist, werde ich bei jedem Rennen mein Bestes für mein Team geben. – Denn das bin ich. Ich werde mich jetzt nicht zurück legen und das Ganze locker betrachten. Im Gegenteil, Etappensiege wie heute durch Andre Greipel bestätigen nur, dass es richtig ist, alles für und miteinander zu geben, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Für mich wird der Radsport immer einen festen Platz in meinem Herzen haben.

Ein großes Dankeschön für alles an: Mutti und Vati, Schwesterherz, Mary und Emilio, meine Schwiegereltern und überhaupt die Familie. An meine Trainer Horst Werner Freiberger und Jens Lang. Aber auch an meine besten Freunde Jan Hollitzer, Christian Bach, Matthias John, Uwe Rindermann und noch so viele mehr.

Ihr alle habt an mich geglaubt, habt bestimmt am Fernseher oft mitgelitten, habt mich so akzeptiert wie ich bin und immer ein offenes Ohr gehabt. Ihr alle seid mehr als der Halt, den ich immer brauchte und immer hatte.

Danke