Mensch gegen Mücke, Ausreißer gegen Peloton

Ich versuche gerade etwas Intelligentes und Informatives für euch da draußen zu schreiben, aber ich muss zugeben, es ist heute nicht gerade einfach. Das Problem ist, dass mein Zimmernachbar Matt Lloyd auf der Jagd nach Mücken im ganzen Raum herumtobt. Als „Waffe“ hat er sich für ein Handtuch enschieden. Ich glaube nicht, dass das die beste Wahl war. Jedes Mal, wenn er mit dem Handtuch wild um sich geschlagen hat, hat er die Mücken alarmiert und ihnen verraten, was er vorhat. Sie müssen sich halb totgelacht haben, bei dem Anblick der zwei mageren Jungs, die in ihrem Raum herumlaufen.

Um das mal klarzustellen: es ist ihr Raum. Sie haben sich hier eingerichtet und wir sind nur zu Besuch. Im Moment sehe ich sechs von ihnen und in dem Moment, in dem Matt mit dem Handtuch auf sie zukommt, flattern sie total entspannt zur nächsten Wand. Die halten ihn zum Narren. Das erinnert mich irgendwie an das Peloton. Es war ziemlich desinteressiert und lahm während es ein Auge auf die Ausreißer geworfen hat. Es sah aus, als würden die Fahrer es genießen, dass die Spitzengruppe sich nur ein paar Minuten nach vorne abgesetzt hat. Dann haben sie sich einmal etwas angestrengt und die ganze Lücke wieder geschlossen. Quasi als Beweis um zu zeigen, wie einfach es sein kann. Diese Schweine!

Es ist viel schöner, wenn die Ausreißer es schaffen. Wenn der Fahrer, der sich über Stunden abrackert, den die Fernsehzuschauer kennen und lieben gelernt haben, belohnt wird. Die Kommentatoren haben jede noch so kleine Anekdote und Story aus seinem Leben erzählt und die Zuschauer mögen es, wenn die wenigen tapfer kämpfenden Fahrer gegen die Überzahl hinter ihnen fighten. Und dann kommt das Peloton, schluckt sie einfach so und irgendein Typ den wir den ganzen Tag noch nicht gesehen haben – versteckt im Windschatten der anderen, ohne eine Schweißperle im Gesicht – fährt jubelnd über die Ziellinie. Für gefühlt zum 17. Mal in diesem Jahr.

Aber das Leben ist hart und meistens gewinnt das Hauptfeld. Matt wurde müde, blickte bedröppelt drein und zog sich aus um unter die Dusche zu springen. Er murmelte noch irgendetwas von wegen, dass er sie sich später krallt. Vielleicht ohne Handtuch.

Schlaft gut Leute
Charlie

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