Bella Italia

Keine Bange, dies wird kein weiterer Schnulzblog. Ich glaube ihr könntet genau so wenig wie ich noch einen solchen ertragen. Ich kann euch auch zu einem späteren Zeitpunkt auf den neuesten Stand bezüglich meiner Gesundheit bringen, aber ich habe euch auch noch viele andere Sachen zu erzählen.

Ich war kürzlich für etwa eine Woche in Italien. Es war sehr schön sich mal wieder mit dem Menschen auszutauschen und die Wohnung mal wieder zu sehen. Varese ist seit Beginn meiner Karriere meine zweite Heimat, die mir sehr wichtig geworden ist. Die Leute arbeiten hart und auch wenn sie sehr mürrisch sein können, sind sie doch aufrichtige, herzensgute Typen. Als ich 1999 als naiver, junger Mann das erste Mal hierhin gekommen bin, wurde ich mit offenen Armen und Türen begrüßt und ich fühlte mich sofort willkommen und unterstützt. Es vergingen auch mal Wochen, ohne dass ich bei mir zuhause eine Mahlzeit zu mir genommen habe, so groß war die Gastfreundschaft dieser Menschen. Während man in anderen europäischen Ländern eher auf sich selbst gestellt ist, wurde ich in Italien wie ein filigranes archäologisches Fundstück von Hand zu Hand weitergereicht. „Lass ihn nicht verhungern!“

In einem fremden Land zu leben ist nicht immer einfach, auch wenn man der weitgereisten und sehr anpassungsfähigen Art angehört. Mir scheint es ist egal wie viel Zeit man in einem anderen Land verbringt, es gibt einfach Gewohnheiten, Prioritäten und Geschmäcker, die ich nie ganz abwerfen kann. So gibt es auch in Italien Dinge, die ich einfach nie verstehen werde. Zum Beispiel haben Banken und Büros immer unterschiedliche Öffnungszeiten. Und warum schließen Supermärkte den Mittag über, wenn man doch eigentlich etwas fürs Mittagessen kaufen müsste? Aber das ist auch das Schöne daran. Wir sind alle so verschieden und das macht das Leben in anderen Kulturen so spannend. Man erlebt immer etwas neues, eine neue Art etwas zu sehen. Als Reisender hat man den Luxus alles was man erlebt in sich aufnehmen zu können.

Eine Sache, an die ich mich in meiner Zeit in Italien nie so richtig gewöhnen konnte, ist ihre Haltung gegenüber Lärm. Davon machen sie eine ganze Menge… Ein einfaches Treffen eines Freundes auf der Straße löst eine laute Diskussion aus mit Schulterklopfen, vielen Gesten und, natürlich, Krach. So sind sie eben. In den ersten Wochen dachte ich oftmals die Menschen wäre sauer aufeinander bei all dem Schreien und Kreischen. Mit besserer Sprachkenntnis realisierte ich, dass sie einfach alles aus sich raus lassen, das Leben in vollen Zügen genießen. Wenn man als frisch angereister Ausländer Italiener in einer Unterhaltung sieht, kommt man nicht umhin neugierig zu werden, worum es um alles in der Welt geht. Aus der Ferne wirkt das alles äußerst aufregend und wichtig. Diese Offenheit und Energie macht es recht einfach sich zu integrieren; bring dich einfach ein und wenn du auch mal zu Wort kommen kannst, wird man schnell akzeptiert und geliebt.

Es gibt eine Kehrseite dieser südländischen Leidenschaft. Es scheint, dass sie sich so an das laute Leben gewöhnt haben, dass sie Lärm, jede Art von Lärm, nicht mehr wirklich wahrnehmen; geschweige denn sich davon stören lassen. Die Lärmbelästigung in der Umgebung unserer Wohnung ist so hoch – wenn alle Übeltäter zur selben Zeit auf Hochtouren kommen, kann es schwierig werden einen klaren Gedanken fassen zu können. Wenn ich meine Nachbarn darauf ansprechen ob der Lärm sie nicht stört, erwidern sie mit einem ruhigen Schulterzucken: „Was will man machen?“

Einige von euch können sich vielleicht den ersten Lärmverursacher in der Nachbarschaft erinnern. Das war der Hahn und der lebt und tritt heute noch. Da er es vermeiden konnte bisher als Mittagessen auf dem Tisch gelandet zu sein, scheint er jeden Tag so zu leben als wäre es nun mal sein letzter. Er schreit und kreischt jeden Tag die Hühner um sich rum an. Das startet eine Kettenreaktion in der Nachbarschaft. Es fängt an mit der Hündin, die unmittelbar unter meinem Fenster lebt. Sie bellt in einem konstanten, öden Rhythmus, den selbst sie ermüdend zu finden scheint. Ihre Possen mobilisieren die Jagdhunde, die eine Ecke weiter leben. Ich habe nie wirklich sehen können wie viele dort sind, da sie meistens eingesperrt sind. Aber ich schätze mal vorsichtig, dass es acht Hunde sind. Sie heulen und bellen mit so einem Nachdruck, dass es dich zusammenzucken lässt und bevor man weiß was los ist, geht es weiter mit Alarmanlagen, schreienden Kleinkindern und dem Hahn… schon wieder!

Ob Lärm oder Hektik, ich liebe Italien. Sie leben das Leben mit solch einer Energie, dass es schier unmöglich ist wütend zu werden. Auch wenn ihre Hunde dich die ganze Nacht wach halte. „Vergiss es einfach!“

Charlie

Sag uns Deine Meinung

Kommentare