Philippe Gilbert – DER Superstar des Teams Omega Pharma-Lotto

Belgischer Sportler des Jahres, belgischer Radsportler des Jahres, dreimal das „Kristallen Fiets“ in Folge gewonnen – Philippe Gilbert ist in seiner belgischen Heimat ein absoluter Superstar. Und auch über die Grenzen Belgiens hinaus hat er sich in die Herzen der Fans gefahren und genießt Anerkennung von Radsportfans und allen Fahrern des Pelotons. In der Saison 2011 ist er der mit Abstand erfolgreichste Fahrer aller Frühjahrsklassiker.

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Ganz nach dem Motto „das Beste kommt zum Schluss“ hat er sich stetig gesteigert, seine Form weiter aufgebaut und war auf den Punkt fit. Schon früh begann er sich die Strecke der Flandernrundfahrt einzuprägen, trainierte im heimischen Gefilde für Lüttich-Bastogne-Lüttich und hat ganz bewusst die „Königin der Klassiker“ ausgelassen. Warum er das macht? „Bei Paris Roubaix kann Deine Karriere mit einem Rennen vorbei sein“, sagte er über die Hölle des Nordens, in der nicht selten Stürze die Entscheidung in Rennen bringen.

Gewachsen an Rückschlägen

Rückschläge steckt Phil bestens weg und scheint aus ihnen gestärkt hervorzugehen: eines seiner Hauptziele 2011 war die Weltmeisterschaft in Geelong. Alles sah nach einem Sieg für ihn aus, seine Form war perfekt, er war der mit Abstand stärkste Fahrer im gesamten Rennen und kam am Ende doch nach seinem sechsten Platz 2009 nur auf den 18. Platz. Was war passiert? Am vorletzten Anstieg setzte Gilbert alles auf eine Karte, aber der Gegenwind machte ihm einen Strich durch die Rechnung, so dass er das vom harten Rennen stark ausgedünnte Hauptfeld nicht bis zur Ziellinie hinter sich lassen konnte. Weltmeister wurde der Norweger Thor Hushovd. Doch nur eine gute Woche später lief Philippe erneut zu Topform auf und verteidigte erst seinen Sieg bei der Piemont- und anschließend bei der Lombardeirundfahrt.

Die verpasste WM-Chance noch im Kopf hat er den Winter zur intensiven Vorbereitung genutzt – mit beeindruckendem Erfolg wie wir jetzt wissen.

Eine Entscheidung des Herzens – Philippe wechselt in seine belgische Heimat

Zum Rennfahrer gereift ist Philippe bei La Française des Jeux. Im Jahr 2002 noch als Stagiaire, also in einem Jahr auf Probe, stand er schon viermal ganz oben auf dem Treppchen. Da war es nur reine Formsache, ihm seinen ersten Profivertrag anzubieten und ihn langfristig an das Team zu binden. In den kommenden Jahren arbeitete er stets an seiner Form und hatte dabei die Klassiker im Visier. Mit einigen Siegen bei kleineren Rennen unterstrich er immer wieder, welches Potenzial in ihm steckt. Das brachte ihn soweit, dass er schon im Jahr 2004 bei seiner ersten Grand Tour teilnahm. Beim Giro d’Italia fuhr er für seinen Kapitän Bradley McGee, der im Gesamtklassement auf den achten Rang kam. In den kommenden vier Jahren bestand sein Team stets darauf, dass Gilbert bei der Tour de France aufläuft, was dem Wallonen schon damals nicht 100%ig zusagte, wollte er sich doch lieber auf die Klassiker konzentrieren und hier wichtige Siege einfahren.

So steht als einziges nennenswertes Resultat bei einem Frühjahrsklassiker zwischen 2003 und 2007 der Sieg bei Omloop Het Nieuwsblad in 2006 in seinen Palmares. 2008 stand er dann das erste Mal bei einem Radsport-Monument auf dem Podium – wenn auch nicht in seiner Heimat, sondern bei Mailand Sanremo, der Fahrt in den Frühling. Drei Wochen zuvor gewann er bei Omloop Het Nieuwsblad zum zweiten Mal. Machte sich aber Gedanken, ob fdjeux das richtige Team für ihn ist. Vor allem die Zukunftsaussichten in einem belgischen Team fahren und bei Klassikern als Kapitän auflaufen zu können ließen seine Entscheidung auf Silence-Lotto fallen. „Ich habe mich nicht für das höchste Angebot entschieden. Sechs ProTour-Teams wollten mich. Ich habe mir alle Angebote gründlich angeschaut“, sagte Phil nachdem seine Entscheidung für die Heimat gefallen ist. Marc Sergeant, sein neuer Teammanager sagte schon damals: „Wir wollen ihn unbedingt. Er ist weltweit einer der besten Fahrer.“ Philippe hat das Vertrauen mit einzigartigen Leistungen zurückgezahlt.

Keine Lotterie sondern eine Erfolgsgeschichte – seine Zeit bei Silence-Lotto und Omega Pharma-Lotto

Von jetzt an auf Canyon Rennrädern kam Phil immer besser in Schwung. Im Frühjahr kam er im neuen Team bei der Flandernrundfahrt aufs Podium und zeigte in seiner wallonischen Heimat beim Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich jeweils ganz starke Rennen, in denen er sich jeweils den vierten Platz sicherte. Mit dem Sieg bei der vorletzten Giro-Etappe im Mai holte er nicht nur seinen ersten Grand-Tour-Sieg, sondern hievte auch Canyon das erste Mal auf das Podium einer großen Landesrundfahrt.

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Aber das war nur der erste Teil seiner Saisonplanung. In Absprache mit den Teammanagern von Silence-Lotto verzichtete er auf die Tour de France und überließ das größte Radrennen der Welt anderen Protagonisten. Phil hat sich in der Zeit schon auf den Herbst konzentriert. Es sollte ein goldener Oktober für ihn werden: mit vier Siege in neun Tagen! Coppa Sabatini, Paris-Tours, Piemontrundfahrt und letztendlich die Lombardeirundfahrt. Philippe Gilbert hat sein erstes Radsportmonument gewonnen und hatte Appetit auf mehr.

2010, als erste leise Stimmen schon davon sprachen, Phil könne im Frühjahr keinen großen Klassiker gewinnen, strafte er alle Kritiker Lügen. Das gesamte Team musste lange auf den ersten Saisonsieg warten – dafür war es einer der wichtigsten der vergangenen Jahre für Gilbert und das Team: der Wallone siegte beim Amstel Gold Race! Doch auch in dieser Saison sollte ein zweiter Höhepunkt hinzukommen: Philippe schielte auf die Weltmeisterschaft, die er – obwohl er der stärkste Fahrer im Feld war – verpasste. Doch er konnte seinen Sieg bei der Piemont- und Lombardeirundfahrt wiederholen. Zuvor fuhr er quasi im „vorbeigehen“ noch zu zwei Etappensiegen bei der Vuelta und sogar fünfmal im roten Trikot des Gesamtführenden. In der UCI-Gesamtwertung belegte er im Schlussklassement den dritten Platz!

In der Laufenden Saison hat er dann da weitergemacht, womit er die vergangene Saison beendet hatte: mit grandiosen Siegen und einen unnachahmlichen Fahrstil. Als dritter bei Mailand San Remo konnte er noch nicht ganz sein Ziel erreichen, stand aber nach 2008 erneut auf dem Podium – wenn er auch gerne den Sprung ganz nach oben geschafft hätte und sich die Freude so in Grenzen hielt. Aber das Frühjahr war ja noch nicht vorbei und er steigerte seine Form stetig: Bei der Flandernrundfahrt reichte es zwar „nur“ zu einem neunten Platz, aber sein Fokus lag ganz klar auf den wallonischen Klassikern. Schon vor der wichtigen Woche holte er mit dem Pfeil von Brabant einen Sieg. Danach verteidigte er eindrucksvoll seinen Titel beim Amstel Gold Race, dem Wallonischen Pfeil und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Man konnte ihm ansehen, wie er den Sieg vor seinem Heim-Publikum genoss. Seine Stärksten Konkurrenten Andy und Fränk Schleck hatten auch nur Lob für ihn übrig: „Im Finale war nichts gegen Gilbert zu machen. Er war einfach zu stark.“

Multitalent, das auf allen Strecken gewinnen kann

Ein eindeutiges Streckenprofil, das Phil liegt, ist nicht auszumachen. Klar, die langen Klassiker sind sein liebstes Steckenpferd. Aber bei einem eher Flachen Rennen wie Mailand San Remo kann er genauso mithalten wie bei einem Rennen, das am Berg entschieden wird wie dem Wallonischen Pfeil. Phil sagte dazu noch vor dem Rennen, der Anstieg an der Mauer von Huy sei zu anspruchsvoll für ihn. Er distanzierte seine Konkurrenten aber deutlich und zeigte, dass er auch hier bestehen kann. Wichtig für ihn ist, dass das Rennen schwer gemacht wird. Denn in einem großen Sprinter-Feld ist er den endschnellen Fahrern etwas unterlegen. Hängt er die reinen Sprinter aber früh genug ab kann er sowohl Solo siegen, kann aber auch in den Kampf einer kleinen Gruppe annehmen. Über die 2011er WM-Strecke von Kopenhagen hat er übrigens gesagt, dass sie ihm nicht anspruchsvoll genug ist…

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