Ein Treffen mit „Fast Phil“ – Nr.1 der UCI-Weltrangliste

Seit seinen vier Siegen in Folge bei den großen Klassikern im April ist der Omega Pharma-Lotto Fahrer Philippe Gilbert die Nr. 1 in der UCI Weltrangliste. Die Waffe, die sich Fast Phil ausgesucht hat, ist das Canyon Aeroad CF 9.0 Team. Nach einer wohlverdienten Wettkampfpause wird Phil seine nächsten Rennen bei der Belgienrundfahrt im späten Juni bestreiten. Wir haben uns ihm in seiner Wahlheimat Monaco unterhalten.

Canyon: Michael Rich hat Dir einen neuen Aeroad CF Rahmen mit einer besonderen Lackierung vor Lüttich-Bastogne-Lüttich gebracht. Wie gefällt er Dir?
Philippe Gilbert: Mir gefällt der Rahmen sehr. Ich finde es gut, dass Canyon sich etwas Besonderes für mich ausgedacht hat. Ich wollte etwas anderes haben als viele Italiener – so etwas wie ein Tier oder so. Ich bin kein Italiener und das hätte nicht funktioniert. Daher dachte ich „Fast Phil“ wäre eine gute Sache…

Canyon: Naja, Du bist ein ziemlich schneller Fahrer …
Philippe Gilbert: [lacht] Das Stimmt. Darum ist es nicht so schlecht “Fast Phil” auf meinem Rad zu haben.

Canyon: Du wolltest keinen Gorilla wie Dein Teamkollege André Greipel auf Deinem Rad?
Philippe Gilbert: Nein, auf keinen Fall!

Canyon: Phil, Du fährst das Aeroad CF 9.0 Team seit der letztjährigen Belgienrundfahrt. Du hast Dir dieses Rad ausgesucht – warum?
Philippe Gilbert: Ich bin sehr eigen, was meine Räder angeht und ich finde, dass das Aeroad das beste Rad für mich ist. Ich habe mit Canyon zusammen gearbeitet und ihnen Feedback gegeben, wie das Rad sein sollte. Ich bin wirklich zufrieden. Es ist wichtig, dass das Aeroad steif ist und doch aerodynamische Qualitäten mitbringt. Ich mag außerdem das Design. Ein solches Rad zu fahren gibt mir Motivation.

Canyon: Nachdem Du Deine Frühjahrs-Saison mit diesen vier Siegen beendet hast – wie sieht Dein Restprogramm für 2011 aus?
Philippe Gilbert: Ich hatte eine wirklich sehr gute Klassikersaison und mir dann eine Pause genommen, die so geplant war. Es ist eine lange Saison, aber bisher funktioniert meine Planung vom Trainingsstart im Dezember für diese Saison bestens.

Canyon: Siehst Du Lüttich-Bastogne-Lüttich oder den Wallonischen Pfeil als Dein „Heimspiel“?
Philippe Gilbert: Sogar das Amstel Gold Race liegt in der Nähe des Ortes, wo ich in Belgien gelebt habe [Gilbert lebt jetzt in Monaco] und ich kenne alle Straßen dieses Rennes sehr gut. Ich bin aber auch mit der Lombardeirundfahrt und der Flandernrundfahrt sehr gut vertraut. Als Rennfahrer müssen wir uns alle Strecken gut einprägen. Vielleicht ist Lüttich mir etwas besser bekannt, aber wir kennen alle Rennen.

Canyon: Ich bin doch etwas neugierig was Du gedacht hast, als Du die Ziellinie im Rennen Deiner Träume, Lüttich-Bastogne-Lüttich, überquert hast? Wie war das?
Philippe Gilbert: Es war ein großartiges Gefühl, ein Traum ist wahr geworden. Es ist selten, dass man im Leben einen Traum verwirklichen kann. Daher war dieser Sieg etwas ganz besonderes für mich.

Canyon: Nach Deinem Sieg in Lüttich bist Du zurück in Deine Heimatstadt nach Remouchamps auf den Anstieg „ La Redoute“ zu der Party Deines Fanclubs gefahren. Hat sich der Weg gelohnt?
Philippe Gilbert: Oh ja. Es waren viele Leute bei der Party, meine Familie und meine Freunde. Daher war es eine tolle Zeit. Beeindruckend – wirklich einzigartig.

Canyon: Viele haben bemerkt, dass Du Deinen sechs Monate jungen Sohn Alan mit auf das Podium beim Amstel Gold Rennen mitgebracht hast …
Philippe Gilbert: Ich habe ihn bei Amstel und in Lüttich mit aufs Podium genommen. Ich wollte diesen Moment mit ihm teilen. Auch wenn er nicht wusste, was los war wird es sicher eine schöne Erinnerung für ihn sein, wenn er älter ist.

Canyon: Phil, was sind Deine Ziele für den Rest der Saison 2011?
Philippe Gilbert: Für mich ist jedes Rennen wichtig. Ich fahre um zu gewinnen. Ich gehe nicht zur Tour de France, damit ich um das Gesamtklassement fahre, da ich mich darauf nicht vorbereitet habe. Aber mein Ziel bei der Tour ist es, mindestens eine Etappe und vielleicht sogar mehr zu gewinnen.

Canyon: Hast Du Dir die Strecke angeguckt? Welche Etappen sind interessant für Dich?
Philippe Gilbert: Ja, vielleicht ist Etappe drei interessant und einige andere – da denke ich noch drüber nach.

Canyon: Phil, wie sieht Dein Rennprogramm nach der Tour aus? Ist es noch zu früh zu sagen, ob Du die Vuelta fährst, in der Du 2010 zwei Etappen gewonnen hast und einige Zeit das Klassement angeführt hast?
Philippe Gilbert: Es ist tatsächlich noch zu früh um jetzt schon etwas zu sagen. Ich werde mich nach der Tour über den Rest der Saison entscheiden.

Canyon: Was ist mit der Weltmeisterschaft in Kopenhagen? Viele Leute haben gesehen, wie Du mit Tom Boonen im Vorfeld die Strecke abgefahren bist.
Philippe Gilbert: Der Kurs ist nicht schlecht. Es ist eine Strecke für die Sprinter, aber er ist nicht schlecht.

Canyon: Phil, Du hast die Lombardeirundfahrt zweimal gewonnen, Amstel Gold zweimal und jetzt Lüttich-Bastogne-Lüttich. Es fehlen noch die Flandernrundfahrt, Paris-Roubaix und Mailand-Sanremo. Ist es eines Deiner Ziele, eines Tages alle Radsportmonumente zu gewinnen?
Philippe Gilbert: Ja, das ist ohne Zweifel eines meiner Ziele.

Canyon: Welches ist am schwersten zu gewinnen?
Philippe Gilbert: Sanremo. Jeder Fahrer kann Sanremo gewinnen, das macht es so schwer. Eigentlich ist es ein Rennen, das mit Glück sogar etwas schwächere Fahrer gewinnen können.

Canyon: Manche Beobachter fragen sich, ob Philippe Gilbert im Alter von 29 Jahren nicht auf dem gleichen Weg ist wie sein belgischer Landsmann, der unvergessene Eddy Merckx, und einmal ein Grand-Tour-Fahrer wird.
Philippe Gilbert: Klar, warum nicht? Ich habe in der Zukunft noch viel Zeit, darauf hinzuarbeiten. Ich möchte jetzt erst mal weitermachen und die Klassiker gewinnen, aber dann kann ich mich auf große Rundfahrten konzentrieren.

Canyon: Wie viele Jahre siehst Du Dich noch als Rennradfahrer?
Philippe Gilbert: Oh schon noch eine Weile …vielleicht bis ich genug davon habe oder wenn es einfach nicht mehr geht.

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