24h WM: Es kommt gerne anderes, wird dann aber doch gut.

Ergon 24h Racing TeamEs kommt gerne anderes, wird dann aber doch gut. So oder so ähnlich könnte die Headline zur 24h WM in diesem Jahr lauten.

Aber von vorne. Da wir am Freitag ewig im Stau gestanden hatten, bin ich erst Samstagmorgen auf die Runden kommen. Etwas verträumt startete ich drei Stunden vor dem Start auf die Besichtigungsrunde. Einen Kilometer kam ich, bis ich brutal geweckt wurde. Schiene, Feuchtigkeit und ein flacher Anfahrtswinkel. Jeder Radfahrer kennt das Ergebnis. Ich lag mit satten Schürfwunden an Knie und Ellenbogen auf der Nase. Schlimmer war aber die Prellung der Hüfte. Im Kopf lief schon der Film: „Alles für die Katz. Vorbereitung, Training und …“

Wunden versorgen lassen, erholen und versuchen den Sturz hinzunehmen. Um 13.15 Uhr stand ich in der Wechselzone. Kim kam regelrecht in die Zone gehechtet: „Wir liegen vorne, gib alles!“, schrie er mir noch zu. Ich schaltete von jetzt auf gleich in den Rennmodus um. Schmerzen waren egal, schließlich lagen wir vorne.
Das Spiel ging Stunden weiter. Wir drehten unsere Runden im 2er-Rhythmus (jeder fuhr 2 Runden) und lagen mit Univega und AS Group – Quantec an der Spitze des 2er Männerfeldes. Zwischenzeitlich konnte sich Univega absetzen und einen Vorsprung herausfahren. Gegen 22 Uhr wurde es aus unserer Sicht spannend, Kim und ich konnten zu den Führenden aufschließen und die Verfolger hinter uns lassen. Zu meinem Erstaunen gingen wir zwei Runden später erneut in Führung. Schnell konnten wir einige Minuten Vorsprung herausfahren. Das Zeitpolster hielt aber nicht lange. Gegen 2 Uhr war der Traum vom Titel dahin. Univega lag bereits wieder mit einigen Minuten Vorsprung vorne, und auch AS Group –Quantec kam gefährlich näher. Was habe ich in diesen Minuten den Sonnenaufgang herbei gesehen. Es kam aber wie es kommen musste, wir konnten das Tempo von AS Group –Quantec nicht halten. Lagen aber auf einem recht sicheren 3. Rang. Sicher deswegen, da wir bereits über sechs Runden auf die Viertplatzierten herausgefahren hatten.
In der Nacht hatte ich noch ein Aha-Erlebnis. Mitten auf der Runde ging plötzlich die Lampe aus. Auch wenn man die Runde schon einige Male gefahren ist, macht Licht es doch einfacher.

Endlich, der Sonnenaufgang. Meiner Meinung nach ist das immer wieder einer der schönsten Momente in einem 24h-Rennen. Es wird heller, wärmer und das Rennen fällt einem wieder leichter. Auch die Motivation kommt zurück, schließlich war es ja nicht mehr weit.
Die Platzierungen waren dennoch wie in Stein gemeißelt. AS Group – Quantec versuchte zwar noch mal zum den Führenden aufzuschließen, aber Univega war deutlich stärker.

Im Laufe des Vormittags fuhr ich zu Teamkollegen Nadine auf. Sie war mit Trevor im 2er Mixed Team unterwegs. Zusammen ließen sich die Runden flüssiger fahren, also im Konvoi weiter. Um 12.10 Uhr standen Trevor und ich das letzte Mal in der Wechselzone. Noch 50 min bis zum Zielschluss. Es gab zwei Möglichkeiten, im normalen Tempo drei Runden fahren oder das Rennen Rennen sein lassen  und locker zwei Runden á 25 Minuten fahren. Da der Drops in beiden Teams gelutscht war, fiel die Entscheidung leicht. Trevor und ich drehten zwei Runden zum Ausfahren und genossen die Atmosphäre, die Sonne und einfach auch mal das stehen bleiben, um ein kurzes Päuschen einzulegen.

Heute fünf Tage später bin ich im Groben wieder hergestellt. Die Wunden heilen und die Nächte kann ich wieder durchschlafen. Nur die Gewissheit, in der nächsten Zeit kein 24h-Rennen zu fahren, bleibt.

Kurz noch zu den Ergebnissen:

Nadine Rieder / Trevor Allen (2er Mixed) – Platz 2 oder Vize-Weltmeister
Kim Tofaute / Benjamin Brochhagen (2er Männer) – Platz 3

Die gesamten Ergebnisse gibt es hier.

Eurer Benny

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