Aller guten Dinge sind 3 – mit Hindernissen aufs DM-Podium

Die Negativserie ist beendet! Nach Sehnenabriss 2009 und der verletzungsbedingten Aufgabe im Jahr 2010 habe ich, getreu dem Motto “Aller guten Dinge sind 3″, den Köln-Triathlon als 4ter abgeschlossen. Die Zeit von 8h 44min bedeutete zudem Platz 3 bei der deutschen Meisterschaft …

Nach meiner persönlichen Schwimmbestzeit in Roth und guten Trainingsleistungen im Vorfeld hatte ich mir für die erste Disziplin in Köln einiges vorgenommen. Eine erneute persönliche Bestzeit über 3,8 km hatte ich eigentlich fest eingeplant. Als ich dann beim Wasserausstieg auf die Uhr schaute und diese mir 56 min anzeigte, war ich schon etwas überrascht. Die Enttäuschung hielt sich glücklicherweise in Grenzen, denn einige meiner Konkurrenten stiegen fast zeitgleich mit mir aus dem Wasser und das Schwimmen war nicht sehr belastend gewesen.

Ein schneller Wechsel brachte mich dann gleich zu Beginn an die Spitze einer 6-köpfigen Gruppe. Eine Konstellation, die ich nicht unbedingt wollte. Glücklicherweise waren meine Beine dann aber in der Lage aus der 6er eine 5er Gruppe zu machen. Ich konnte nun alleine die Flucht nach vorne starten. Nach 17 km lag ich bereits auf Gesamtposition 6. Mein Vorsprung auf die 5er Gruppe betrug mickrige 30 Sekunden. Diese Konstellation brachte mich dazu einen vorbeifahrenden Kampfrichter darauf hinzuweisen, dass er sich das Treiben hinter mir mal anschauen solle. Diese Aufforderung sollte sich später rächen. Er fuhr davon, aber leider nicht nach hinten …
Nach etwa 35 km überholte ich Andreas Hechler und übernahm Position 5. Andreas ist mir noch gut aus dem letzten Jahr bekannt. In Roth hatten wir uns Platz 19 geteilt und einen Großteil des Rennens gemeinsam bestritten. Platz 19 oder teilen, das wollte ich heute definitiv nicht – Andreas als guten Radfahrer “mitnehmen”, das war für eine gewisse Zeit eine Option. So fuhren wir dann im Wechsel von 7-8 Minuten und im Abstand von 10 m !!! Hintereinander her. In unserer Nähe war erstaunlicherweise immer der von mir bereits erwähnte Kampfrichter. Mal fuhr er hinter, mal neben uns, auch in Hofeinfahrten versteckte er sich. Als nach 50 km dann Platz 4 in Reichweite war und es kurzzeitig etwas hektisch wurde, nutzte der Kampfrichter bei einem Überholvorgang von Andreas die Chance. Ich hatte mich bereits wieder auf den vorgeschriebenen Abstand zurückfallen lassen, da “blies” er mir ins Ohr und zeigte mir die “schwarze Karte”

Auf meine Frage, wofür ich diese Strafe bekomme, antwortete er dann, dass ich die ganze Zeit hinter Andreas fahre und er das beobachtet hätte. Den Einwand von mir das er hier eine absolute Fehlentscheidung treffe, schmetterte er mit den Worten, “spar dir deine Luft fürs Laufen”, sofort ab. Ich entschloss mich seinem Ratschlag zu folgen und die Achtminutenstrafe so gut es geht aus meinem Kopf zu verdrängen.
Es musste weiter gehen. Und das ging es auch! Andreas konnte mir nach 70 km nicht mehr folgen und ich lag nun alleine auf Platz 4. Auf den verbleibenden 110 km konnte ich zwar niemanden mehr einholen, aber die Abstände nach vorne verkürzen und nach hinten vergrößern. Für 180 km Radfahren hatte ich 4:28’57 gebraucht und zu meiner Überraschung konnte ich in der 2. Wechselzone auf Johann Ackermann aufschließen. Clemens Coenen auf Platz 2 lag auch nur knapp 1 min vor mir.

Leider waren da aber noch die 8 Minuten Zeitstrafe und so machte ich es mir, anstatt Clemens zu jagen und vor Johann zu flüchten, in der Strafbox bequem. Ich sah Johann hinterher, 3’30 Minuten später lief dann der 2-malige Ostseeman Gewinner und Topläufer Christian Nitschke an der Box vorbei. Andreas Hechler kam nach 6’30 Minuten und ihm folgte mit Christof Schmidt ein weiterer Athlet. Statt als Dritter auf die Laufstrecke zu starten, durfte ich nach endlos langen 8 Minuten wieder die Strafbox verlassen und als Siebter auf den abschließenden Marathon starten. Mit Till Schramm und dem amtierenden Deutschen Meister auf der Mitteldistanz Stefan Schmid wusste ich auch noch 2 sehr starke Läufer hinter mir.
Die ersten 4 km lief ich dann in übermotivierten 15’40 Minuten. Mit etwas Wut im Bauch und in “jetzt erst recht” – Stimmung hatte ich einfach mal verdrängt, dass ein Marathon 42,2 km lang ist und in jeder der drei Runden eine Wendeltreppe auf mich wartet. Positiv an diesem optimistischen Start war, dass ich bereits nach 2 km wieder auf Position 5 lag und die starken Läufer mir von hinten nicht näher kommen konnten. Negativ war … nichts! Zwar musste ich mein Tempo reduzieren, konnte aber meinen bisher schnellsten Marathon laufen 3:07’56 (3.Laufzeit) und musste zum ersten Mal nach dem Radfahren keinen Läufer passieren lassen. Sogar Johann Ackermann konnte ich nach 36 km noch überholen und mich so auf Platz 4 und auf das Podium der deutschen Meisterschaft schieben. Dies ist sicherlich mein bisher größter Erfolg. Außerdem wird dieser Wettkampf für die Zukunft sehr bedeutend sein. Trotz des “Rückschlags” blieb ich konzentriert und konnte mich mental und läuferisch selbst überraschen. Da geht noch was! Alles hat einen Sinn!!!
Danke an alle Unterstützer an der Strecke, die vielen “Mitfiebern” und “Daumendrückern” zu Hause und die vielen netten Mails und Worte. An den evtl. lesenden Kampfrichter: “Ich kann verzeihen! Euer Job ist sicherlich nicht immer leicht, aber leider notwendig! Jeder kann Fehler machen.”

Bis bald! Euer Jens Kaiser

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