Rudis Blog: Gänsehaut-Feeling bei der Eneco Tour

Rüdiger “Rudi” Selig ist mit 23 Jahren einer der jüngsten Fahrer im Kader unseres russischen ProTour-Teams Katusha.
Der deutsche Nachwuchssprinter bestreitet seine erste Saison im Profizirkus und er hat großes Potenzial auf seinem Ultimate CF SLX ganz vorne mitzumischen
Freut Euch auf seinen Rückblic k auf die Eneco Tour 2012.

Seid mir lieb gegrüßt,
seit nun genau einer Woche kreiseln wir mit der Eneco Tour im Dreiländereck (Belgien, Niederlande und Luxemburg) umher und heute war die Abschluss-Etappe mit der berühmten Mauer von Geraardsbergen als Abschlussberg.
Mein Einstieg in die von mir geliebte Eneco Tour, war mehr als schön und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr! Komisch, bisher war dieses Freudengefühl so kurz nachdem Rennen erst einmal vorhanden und zwar nach dem Klassiker Paris-Roubaix. Also heißt es was! :-)

Wahnsinnig groß aufgezogen, wie üblich im Radsportverrückten Belgien! Daher kamen auch Unmengen von Zuschauern an die Strecke, um uns mit aller Kraft (teils auch durch Alkohol gestärkt) anzufeuern! Grandiosen Gefühl, wenn man quasi den Berg „hochgeschriehen“ wird! Gänsehaut garantiert…
Die Sprintankünfte, die wir immer für Alexander Kristoff (beste Platzierung war der 5.Rang) angefahren sind, waren so was von dermaßen nervös, das selbst mir als Sprinter teilweise die Muffe ging!

Rudi Selig bei der ENECO-TOUR 2012, 6. Etappe: Zeitfahren / Foto: ROTH

Als ginge es um Leben und Tod, Hauptsache als erstes in die – meist nicht mal letzte – Kurve fahren. Das bedeutete vor jeder Kurve sprinten, als wäre es das Finale!!!
Anfangs leichte Angst, aber irgendwann ist Dir dann auch alles egal und der Tunnelblick kommt. Und den braucht man in solchen Rennen unbedingt. Wer anfängt zu überlegen, was für Konsequenzen entstehen könnten, wenn ich jetzt in diese Lücke steche, hat verloren. Das alles ist wie ein Spiel, leider jedoch nicht mit drei Leben.
Gatis Smukulis, unserer Silberrücken (so genannt, weil es wortwörtlich ein Gorilla ist), sagte nur immer: „alle die da vorn reinhalten sind kranke, verrückte und todesmutige Gestalten!“
Hab den Satz jetzt mal etwas entschärft;-)

Leider musste Vladimir Isaiychev wegen Knieschmerzen aufgeben, außerdem ist sein Bruder tödlich bei einem Motorradunfall verunglückt – mein herzlichstes Beileid an dieser Stelle…
Mikhail Ignatiev hat uns nach dem Einzelzeitfahren verlassen, um sich auf die 3.und letzte Grand Tour vorzubereiten. Am 18.beginnt dann die spanische Vuelta Rundfahrt.

Für mich auch eine neue Erfahrung war der 6,6km lange Tunnel, den wir auf der 5. Etappe bestritten haben. Wahnsinnig laut, dunkel und schnell (65km/h) mit der einzigen Sicherheit zu hoffen, dass der Fahrer vor Dir, weiß, was er tut. Lustig war auch das Ereignis auf der 4.Etappe, als wir eine viel befahrene Straße in Belgien lang sprinteten… Links und rechts waren quasi Schaufenster, wo jedoch nicht Sachen oder Essen ausgestellt waren, sondern Frauen! Prostituierte auf Stühlen, leicht bekleidet sozusagen als Ausstellungsstücke!?!
Es dauerte nicht lange bis das jemand bemerkte und das Rennen war „neutralisiert“ und alle Fahrer schauten nach den Frauen. Vielleicht reiner Instinkt, aber es kam zu keinerlei Stürze, obwohl niemand auf die Straße schaute. :-)

Das nächste große Rennen folgt am Sonntag den 19.in meiner Heimat in Deutschland. Die Hamburg Cyclassics stehen auf dem Programm und dann sehe ich auch mal Ete wieder!
Bleibt fit und gesund euer Rudi

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