262 Kilometer – das ist für eine dreiwöchige Rundfahrt eine mächtig lange Etappe und schon eher eine Klassikerdistanz. Das Ganze gewürzt mit zwei Bergen der zweiten und einem der ersten Kategorie plus einer bis zu 11 Prozent steilen Zielgerade verspricht schon auf dem Papier Spannung pur. Dass Matthew Lloyd dabei noch die Möglichkeit hat, sein Bergtrikot zu verteidigen macht es für alle Canyon Fahrer und Omega Pharma-Lotto Fans natürlich nochmal doppelt interessant.
Aber mit diesem Verlauf des Rennens hatte niemand gerechnet: Eine 56(!!)-köpfige Spitzengruppe setzt sich schon zu Beginn des Rennens vom Feld ab. Unter ihnen Namen wie Carlos Sastre, den man trotz seines Rückstandes von knapp 10 Minuten noch nicht vollends für das Gesamtklassement abschreiben sollte. Doch das Feld schien das anders zu sehen, ließ die Ausreißer fahren und gewährte ihnen einen maximalen Vorsprung von mehr als 16 Minuten – und die aufzuholen zeigte sich als unmögliches Unterfangen. Die Fahrer arbeiteten gut zusammen und konnten sich in der Führungsarbeit regelmäßig abwechseln. Mit Jan Bakelandts, Francis de Greef, Charles Wegelius und dem Träger des Grünen Trikots, Matthew Lloyd, war Omega Pharma-Lotto gleich viermal in der Gruppe vertreten. Die Signale waren klar: Matthew Lloyd wollte sein Trikot verteidigen.
Am ersten Berg setzte der Australier ein Ausrufezeichen und sicherte sich die 10 Punkte für den ersten Fahrer am Gipfel. Schon da hatte er Gewissheit, am Ende des Tages und auf der morgigen Flachetappe sein Trikot weiter behalten zu dürfen. Am zweiten Berg mobilisierte er nochmal alle Kräfte und kam auf den zweiten Platz, was drei weitere Punkte für ihn bedeuteten. Das Feld merkte inzwischen, dass es den Ausreißern zuviel Raum gelassen hatte und die Mannschaften BMC und Astana holten ihre Fahrer aus der Spitzengruppe zurück, um die Lücke zumindest wieder etwas zuzufahren.
Beim noch letzten zu absolvierenden Berg 45 Kilometer vor Schluss verkleinerte sich die Spitzengruppe zusehends und auch Matthew Lloyd zollte seinen Bergsprints der letzten Tage Tribut – aber sein Team unterstütze ihn nach Kräften und holten am letzten Berg die Plätze eins (Bakelandts) und drei (de Greef). Die einfach Rechnung: Punkte die Matthews Teamkollegen kassieren kann kein Konkurrent einfahren.
Im Schlussteil versuchte dann der blendend aufgelegte Jan Bakelandts nochmal sein Glück. In einer scharfen Kurve übertrieb er es aber und seine Reifen verloren die Bodenhaftung. Der Sturz ging zum Glück glimpflich aus. Zwar konnte er den Etappensieg abschreiben und kam mit sieben Sekunden Rückstand ins Ziel.
Das Profil der morgigen Etappe sieht nicht so spektakulär wie heute aus, aber beim diesjährigen Giro sollten wir uns auf alles gefasst machen. Auf 206 Kilometern geht es nach einer kurzen Erhebung und der anschließenden Abfahrt weitestgehend flach an der Küste entlang. Allerdings birgt die Fahrt durchaus die Gefahr von Windkanten. Gegen Ende des Rennens geht es dann über etwas welligeres Terrain mit zwei Bergwertungen der dritten Kategorie.