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Königsetappe und dem Ziel wieder einen Schritt näher

Dienstag, Juli 20th, 2010

Mit 200 Kilometern und 4439 Höhenmetern hatte es die dritte Pyrenäen Etappe und zugleich Königsetappe dieser Frankreichrundfahrt in sich. Der Tag begann schon ganz ungewohnt für mich. Denn normalerweise gehöre ich zu den Ersten am Frühstückstisch, doch heute morgen waren fast alle vom Team schon fertig oder bereits längere Zeit am Tisch. Eines kann ich definitiv sagen, verschlafen hatte ich keineswegs.

Da wir immer am Vortag einen A5 Zettel erhalten, auf dem die wichtigsten Informationen für den nächsten Tag stehen, weiß man eben auch, wann Frühstück ist, die Koffer gepackt sein müssen, der Bus zum Start fährt und wie lange es nach der Etappe in das nächste Hotel ist. Meistens bin ich bis zu 30 Minuten eher beim Frühstück als uns das dieser Ablaufplan rät. Wie ihr aber sehen könnt, kann eine Königsetappe sogar den Einfuss auf eigentliche Gewohnheiten verändern. Und so wird ein Langschläfer schonmal zum Frühaufsteher.

Generell merkst du, dass vor einer solchen Etappe sich alles etwas anders verhält. Im Bus passiert dann alles auch etwas schneller, es wird weniger gesprochen und die Rennfahrer sind bereits 30 Minuten vor dem Start draußen unterwegs. Nennen wir es aufgescheuchte Renner, die es einfach nicht abwarten können, dass es los geht. Genau so war es dann auch, bei Kilometer Null war die entspannte Körperhaltung vorüber und erst nach 5h57min haben sich alle meine Muskeln gelockert. Im Rennen selbst haben wir als Team heute viel Charakter gezeigt und Verantwortung übernommen. So musste ich als erster von uns ran und nach dem ersten Berg voll fahren. Im Tal zum zweiten Anstieg, dem Col d’Aspin, habe ich mir die Lunge aus dem Leib gefahren. Es gelang mir einen Abstand von 1min10sek auf 28sek zu minimieren. Und mit Blei in den Beinen ging es dann in diesen Anstieg. Mario Aerts und Matthew Lloyd, der sich von vorne extra zurück fallen lassen hat, haben dann weiter Führungsarbeit geleistet. Die Teamleitung und auch wir als Fahrer waren echt stolz auf diese Leistung. So haben wir dazu beigetragen an diesem schweren Tag den 5.Platz von Jurgen VDB in der Gesamtwertung zu verteidigen. Schließlich waren in dieser großen Gruppe viele gute Fahrer, die kurz hinter ihm im Klassement stehen.

Von da an hieß es nur noch den Tag überstehen und in das Ziel kommen. Eine wahre Kletterpartie aber leider nach dem letzten großen Pass des Tages noch sehr weit bis in das Ziel. Da fragst du dich schon manchmal, wieso die Organisatoren die Etappenführung so gewählt haben. Für einen Fahrer war es gut so, denn im Kampf um das grüne Sprinttrikot konnte Thor Hushovd so seinen Punktevorsprung weiter ausbauen. Eine sehr beeindruckende Leistung für einen “Sprinter”, wenn du vorne mit ankommst.

Zweiter Ruhetag und wieder ein Stück näher an Paris und dem Ende dieser Tour de France. In wenigen Tagen wissen wir ob Seppel seine sechste Tour der Leiden erneut beenden konnte. Für mich eines der größten sportlichen Überwindungen in meinem Leben, auf das ich immer wieder stolz bin, wenn ich es geschafft habe. Fühlt sich eben an, als hast du was gewonnen, den Sieg gegen den inneren Schweinehund.

Bis morgen, Euer Seppel

Holland im Siegesrausch…

Freitag, Juli 2nd, 2010

Heute hat die holländische Mannschaft bei der Fußball-WM das brasilianische Team geschlagen und ist somit eine Runde weiter. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen wie es hier in Rotterdam (Holland) aussieht. Eine Welle der Euphorie geht durch die Massen und Holland steht Kopf. Diese Stimmung kommt uns vielleicht morgen zugute und Rotterdam rockt morgen, wenn die Tour de France beginnt.

Heute morgen haben wir die Möglichkeit gehabt die Strecke vom Prolog in Augenschein zu nehmen. Insgesamt bin ich drei Runden auf der Strecke gefahren und habe vorwiegend die Kurven inspiziert. So bin ich auch mal mit mehr als 50km/h auf die eine oder andere Kurve ran gefahren um mit hohen Tempo diese dann zu nehmen. Das zeigt mir Grenzen auf und ich weiß dann noch besser im Rennen wie weit ich gehen kann. Nur zu hoffen, dass es nicht regnet und somit eine neue Situation entsteht.

Sebastian Lang beim Zeitfahren

Canyon hat mir meine Zeitfahrmaschine überarbeitet und somit sitze ich nun noch etwas besser auf dem Rad. Leider war ich ja letzte Woche gesundheitlich etwas angeschlagen und hatte mit einer angehenden Bronchitis zu kämpfen. Mit Antibiotika habe ich zwar alles in den Griff bekommen, aber die geplanten intensiven Trainingseinheiten konnte ich nicht verwirklichen. Auch die deutschen Meisterschaften habe ich aus diesem Grund abgesagt und mich ganz auf die 100-prozentige Genesung konzentriert. Lange und ruhige Trainingsausfahrten waren gut möglich und ich habe den Durchschnittspuls nie über die 130 Schläge pro Minute getrieben. Doch Aufgrund dieser Trainingsumstellung erwarte ich von diesem Prolog nicht viel von mir. Viel wichtiger wird es sein, meine Aufgaben zu voller Zufriedenheit zu erfüllen und meinem Team zur Seite zu stehen.

PS: Heute habe ich meinen Vertrag mit dem Team verlängert, und es freut mich sehr, dass die Mannschaft mich weiterhin in ihren Reihen haben will.

Bis morgen, Euer Seppel

Sebastian Lang beim Mannschaftszeitfahren